Bacardi
Verbotene Liebe...

Wieso? Wieso nur? Glauben kann ich es immer noch nicht. Warum muss es mir passieren? Warum uns? Das Schicksaal meint es nicht gut mit uns. Daran sind nur unsere Eltern schuld. Hätten sie uns als Kleinkinder nicht getrennt, hätten sie uns nicht verheimlicht, dass wir Geschwister sind. Das wir Bruder und Schwester sind.
Vor genau einem Monat kam die schockierende Wahrheit ans Licht. Von da an hat sich alles geändert.

Ich weiß noch wie wir uns zum erstmal begegnet sind. Ein kleines Lächeln huscht mir über die Lippen. Vor gut fünf Monaten. Eine unsanfte Begegnung. Beide hatten wir es ziemlich eilig. Und wie es das Schicksaal wollte, knallten wir aneinander. Landeten beide erstmal auf den Boden. Es war ein regnerischer Tag. Dadurch hatte man automatisch schlechte Laune. Anstatt sich zu entschuldigen, blafften wir uns an. Ich hielt dich für ein arrogantes Arschloch. Deinem Gesichtsausdruck und Verhalten zu folge, warst du auch nicht sonderlich von mir begeistert. Doch wie man sich täuschen kann. Irgendwie bekam ich dich nicht mehr aus meinem Kopf. Ununterbrochen schwirrten Gedanken um dich. Man konnte es nicht Liebe auf den ersten Blick, sondern eher auf den Zweiten, nennen.
Den Tag drauf sah ich dich wieder. In derselben Schule. Nie warst du mir aufgefallen. Wusste nicht, dass du auf die gleiche Schule gehst. Und dann….war es um mich geschehen. Sah dich jeden Tag. Konnte meine Augen nicht von dir lassen. Leider war und bin ich bei solchen Dingen schüchtern. Traute mich nicht dich anzusprechen. Frustrierend war auch noch, das du mich anscheint nicht bemerkt hattest. Nie einen Blick für mich verschwendetest.
Du bist ein Jahre älter als ich. Machtest dein Abitur. Bekam heraus, dass du damals erst vor knapp einem halben Jahr hier her gezogen warst. Meine Stimmung war auf den Nullpunkt. Meine Chancen bei dir rechnete ich auf null ein.

Es vergingen einige Wochen. Langsam aber sicher gab ich mich damit ab, nie Chancen bei dir zu haben. Wie so oft verschlief ich morgens und rannte zur Schule. Um die letzte Ecke und da passierte es. Wieder mal knallte ich gegen dich. Riss dich von der Wucht mit runter auf den Boden. Leicht benebelt merkte ich erst was geschehen war. Ich lag auf dir. Hob meinen Kopf und schaute dir in die Augen. Du hast so schöne Augen. Sie strahlten so viel wärme aus. So viel Geborgenheit. Obwohl ich dich nicht kannte, fühlte ich mich sicher bei dir. Hatte das Gefühl das ich dich ewig kannte.
Jetzt weiß ich warum...

Eine Träne kullert meine Wange hinab.

Es war ein so schönes Gefühl wie du mich dabei anlächeltest. Du warst nicht sauer. Du fandest es eher lustig, dass wir schon wieder zusammen prallten.
Ich vermisse dein Lächeln...
Ab da an ging alles Bergauf. Du beachtetest mich in den Pausen. Redeten miteinander. Freundeten uns immer mehr an. Ich war der glücklichste Mensch auf Erden.
Und nun…
Alles ist vorbei…
Alles zerstört…

Unser erster Kuss. Das war auf einer Party. Deine weichen, zarten und warmen Lippen.
Wie sehr ich deine Küsse vermisse...
Es ging immer weiter Bergauf. Wir kamen zusammen. Ich liebte dich so sehr. Mein Herz gehörte und gehört immer noch dir. Alles war perfekt. Das erste Mal als wir miteinander schliefen, vergesse ich nie.
Mit meinem Bruder…
Scheiß auf den Gedanken. Was bedeutet das schon. Wir sind verwand. Sind Geschwister, doch ich liebe ihn. Nicht wie ein Bruder, nein, viel mehr. Doch dir scheint es nicht egal zu sein. Du entfernst dich von mir. Wieso nur? War deine Liebe gelogen? Hast du mich nie richtig geliebt?? Ich weiß es ist schon komisch zu wissen, dass man mit seinem Bruder, in deinem Fall mit deiner Schwester, schläft. Sie küsst und berührt. Aber mich so einfach fallen lassen. Sagen es geht nicht. Alles geht, man muss es nur wollen. Du wohl nicht.
Zwei Monate waren wir zusammen. Es war nicht viel, doch wie schon gesagt, es war als ob wir uns ewig kennen würden.
Wir wissen ja warum…
Wir hatten so eine schöne Zeit zusammen. Unsere Eltern mussten uns alles kaputt machen. Ich hasse sie…
Meine Mutter kannte ich bis vor einem Monat noch gar nicht. Hab schon immer mit meinem Vater allein gelebt. Auf die Frage wo sie sei, antwortete er nie. Er wandte das Thema immer geschickt ab. Und nun…
Wärt ihr nie hier her gezogen. Wären wir uns bloß nie begegnet.
Gelogen…
Nein, ich bin froh dass ich dich kennen gelernt habe. Das ich dich lieben durfte.

Ein Monat…ein Monat ist es her. Seit einem Monat fühle ich dich nicht mehr, seit einem Monat küsse ich dich nicht mehr… Seit einem Monat bin ich allein…
Mein Vater kommt jeden Tag und will mir klar machen das so besser ist. Er hat leicht reden. Er weiß nicht wie ich mich fühle. Weiß nicht wie sehr ich ihn liebe. Es endet immer im Streit. Wir schreien uns an. Auf die Aussage hin, dass ich ihn liebe, antwortet er immer, wie ich bloß meinen Bruder so lieben kann. Wie ich mit ihm bloß so nah sein kann.
Mein schwarzes Loch wurde immer und immer größer.
Ich hasse…hasse…hasse meinen Vater…
Ich weiß doch selbst dass es verboten ist. Das es Inzest ist. Aber meine Gefühle sagen was anderes. Mir ist es vollkommen egal was wir sind. Was ich weiß ist, dass ich ihn über alles liebe.

Vor einem Monat standen sie in der Tür. Unsere Eltern. Wir saßen im Wohnzimmer auf der Couch. Alles war bestens. Wir schwebten im siebten Himmel und mit einem Schlag war alles vorbei. Alles zerstört. Sie redeten die ganze Zeit drum herum. Meinten sie fänden es nicht gut das wir zusammen sein. Wir merkten dass da was anderes im Busch war. Sagten sie sollen endlich Klartext reden. Ich bereue dass wir das gesagt haben… Sie taten es auch. Mit einem Schlag kam heraus „Ihr seit Geschwister“ Meine komplette Welt brach mit den paar Wörtern zusammen. Was sie anschließend sagten nahm ich nicht mehr war. Der, der gerade einen Arm um mich gelegt hatte, sollte mein Bruder sein?
Ich fing na zu schreien. Schrie die Beiden an, sie sollen nicht so ein mist erzählen. Auch wenn ich es nicht glauben wollte, wusste ich es immer. Wusste seit Anfang an das er mein Bruder war. Irgendwas in meinem Inneren wusste es immer. Konnte das gewisse Innere von mir es mir nicht schon viel eher sagen? Dann wären wir nicht erst zusammen gekommen.
Ihn einfach aufgeben…
Nach dieser Enthüllung ging’s ab in meine Zimmer. So schnell ich konnte rannte ich hoch. Tränen stiegen auf. Jemand lief mir hinterher. Im Zimmer sah ich ihn. Chris…meine Liebe…mein Bruder. (nicht wundern ich liebe diesen Namen^^)Niemand traute sich etwas zu sagen. Beide standen wir wortlos im Zimmer. Bis er schließlich das Wort ergriff. „Was machen wir jetzt?“ waren seine ersten Worte. Mein Herz zerbrach Stück für Stück. In seiner Stimme war so ein Unterton. Und das „was machen wir jetzt“ klang wie das aus. „Ich liebe dich“ erwiderte ich leise. Es hörte es. So fing die Diskussion an. Irgendwann landeten wir an den Punkt, wo er meinte es sei besser wir würden uns trennen. Da es ja eh nicht mehr geht, weil wir Geschwister sein. Jedes weiterte Wort gab mir einen weiteren Stich in meinem Herzen. Es schallte durch meinen Kopf. ~Wir können nicht mehr zusammen sein~ Es war genug. Ich konnte es nicht mehr hören. Mit letzter Kraft schrie ich er sollte raus gehen. Raus und nie wieder kommen. Und weg war er…
Ich blöde Kuh warum habe ich das gesagt…

Er ist weg. Einfach weg…
Von einem zum andern Tag ist meine große Liebe weg. Die ersten Tage danach bin ich nicht zur Schule gegangen. Was natürlich zusätzlichen Streit mit meinem Vater verursachte. Mir war’s egal… Ihn in der Schule zu sehen, hätte ich nicht verkraftete. Doch es kam wie es kommen musste. Zurück zur Schule. Mein Blick versuchte ihn nicht zu suchen. Wie sagt man so schön alle guten Dinge sind drei. Zum dritten Mal knallte ich mit ihm zusammen. So konzentriert wie ich war ihn nicht zu erblicken, schaute ich nicht was um mich geschah. Besser wäre der Spruch, alle schlechten Dinge sind drei. Nichts daran war gut. Wir schauten uns tief in die Augen. Hätte ich gewusst, dass es das letzte Mal ist, das ich ihm so in die Augen schauen kann, dann hätte ich meinen Blick nie von ihm abgewandt. Sein warmer und geborgener Blick wechselte zum kühlen Blick über. Es versetzte ein weitern Stich in mein Herz. Ohne ein Wort zu sagen lief er weiter. Was dann geschah wusste ich nicht mehr genau. An Ort uns Stelle brach ich zusammen. Mein Herz war gebrochen…

Nun ein Monat ist es her. Über ihn hinweg bin ich noch lange nicht.
Es tut immer noch weh…
Nie werde ich das sein. Er ist mir nicht mal als Bruder geblieben. Wobei ich ihn auch nie als Bruder haben wollte. So zu tun, als ob wir nur Geschwister wären und keine liebe füreinander empfinden, könnte ich nicht. Wie sehr wünsche ich mir ihn hier bei mir zu haben. Seine zärtlichen und liebevollen küsse….ihn und seine Berührungen zu spüren…ihn zu lieben. Sein Lächeln zu sehen. Seine wunderbaren Augen.
Träum weiter…

Ich bin am Ende. Am Ende mit meiner Kraft. Ohne ihn kann ich keinen Tag mehr länger leben. Egal was er ist. Ob Freund oder Bruder. Tatsache ist, ich liebe ihn. Und ich weiß er hat mich auch mal geliebt. Ob du es immer noch tust…?
Wie gern würde ich nur noch ein einziges Mal seine Lippen spüren. Ein einziges Mal aus seinem Munde hören “Ich liebe dich“

Aus meiner Anlage dröhnt Rosenstolz mit dem Lied ~Es tut immer noch weh~. Auf Repeat gestellt. Genügend Alkohol und eine Schachtel Tabletten liegen neben mir auf den Boden. Das Handy in der Hand. Der letzte Versuch mit ihm zu reden.
Ob er mich einfach wegdrücken wird?
Mit zittrigen Händen wähle ich die Nummer. Mein Herz pocht wie verrückt. So lang hörten meine Ohren seine Stimme nicht. Langsam gleitet das Handy ans Ohr. Es tutet.
Tut…tut…tut…
„Was willst du?“ geht er ran.
Scheiß Klos im Hals...
Diese Verachtung in seiner Stimme. Wieso???
Ich bin doch selbst schuld…
Mein Mund öffnet sich. Kein Ton. „Ich hab kein Bock auf deine blöden Scherze“
Wenn er wüsste wie sehr er mich verletzt. Wie sehr er auf meinem Herz rum trampelt.
Tränen fließen. „Chris…“ schluchze ich.
Nein ich wollte nicht weinen…ich Schwächling…
Es ist ruhig an der anderen Leitung. „Wieso….sag’s mir?“ Immer noch keine Reaktion. „Ich will mich nur von dir verabschieden“ Es ist gesagt. Ein kleines und leises nein kann ich hören. „Was hast du vor? Mach kein Blödsinn“ er wirkt ängstlich. „Es tut mir so leid, Chris. Mir ist es egal ob du mein Bruder bist. Ich vermisse dich so sehr und ohne dich kann ich einfach nicht leben.“ „Hör auf so was zu sagen. Wo bist du?“ er klingt hektisch. Die ersten zwei Tabletten sind geschluckt. „ Daheim. In meinem Zimmer“
Er ist zu spät…
„ Es tut mir leid. Bitte tu nichts Unüberlegtes. Bitte“ Er klingt flehend. Wieso muss erst so was passieren? Wieso hat er es nicht schon vorher gesagt? Die nächsten Tabletten. „Es ist zu spät Chris“ das Handy gleitet vom Ohr. Seine Stimme und seine verzweifelten Rufe aus dem Handy sind noch zu hören.

Die Packung ist leer. Der Alkohol fließt durch meine Adern. Die Wirkung beginnt.
Mit einem male wird die Tür aufgerissen. Eine schwarze Gestalt steht im Türrahmen. Um rinnt eines hellen Lichtes.
Ein Engel…? Es ist Chris. Er kniet sich zu mir runter. Mein Engel…
„Scheiße was hast du gemacht?“ Mit einem Lächeln auf den Lippen streiche ich ihm behut über sine Wange. Spüre eine nasse Spur darauf. Hat er etwa geweint? Wegen mir? Das erste Mal seit einem Monat ist er mir so nahe. Diese Geborgenheit…seine Wärme. „Ich rufe einen Krankenwagen“ Hektisch greift er nach seinem Handy. Ich halte ihn davon ab. Entgeistert schaut er mir tief in die Augen. Wie wunderbar…
„Es ist zu spät…bitte halt mich…halt mich fest im Arm“ Ein letztes Mal nimmt er mich in den Arm. Wie sehr habe ich ihn doch vermisst. „Warum musste es nur so weit kommen?“ Seine Stimme klingt zittrig. „Es ist egal…ich liebe dich. Egal was wir auch sind“
„Ich liebe dich doch auch. Ach verdammt…“Seine Tränen tropfen auf meine Haut.
Wie lang schon habe ich darauf gewartet. Er liebt mich auch noch…
Einen letzten Kuss gebe ich ihm. Wieso ist er nicht früher gekommen? Dann wäre es nicht soweit gekommen.
Gib ihm jetzt nicht die Schuld…

Das letzte was ich schmecke sind seine Lippen. Das letzte was ich spüre ist seine Wärme. Das letzte was ich sehe ist sein Gesicht. Das letzte was ich höre sind die letzten Strophen des Liedes…

~es tut immer noch weh~
Nein, es tut nicht mehr weh…


~~~~~~~~~~~~~Teil 2~~~~~~~~~~~~~
Look into my eyes...


Wieder mal einer dieser Wochenenden. Mit Freundinnen in irgendeiner Bar abhängen und auf einen guten Fang, wie wir so schön sagen, ausschau halten. Viel Lust dazu habe ich nicht, doch sie bekommen mich immer wieder dazu mit ihnen zu kommen.

Es sind zwei Jahre seit meinem Selbstmordversuch vergangen. Ich bin frische zwanzig Jahre alt. Abitur in der Tasche und eine begonnene Lehre als Bürokauffrau. Ein ganz normales Leben. Darauf bin ich recht stolz, wenn man bedenkt was vor zwei Jahren war. Dank Chris kamen die Notärzte noch gerade rechtzeitig. Sie pumpten mir das ganze Zeug aus dem Magen. Eigentlich wollte ich sterben. Sterben, da ich eh wusste, dass es mit uns zwei keine Zukunft geben wird. Und ohne ihn würde ich nicht leben können.Nach meinem Erwachen war er weg. Eine ganze Woche schlief ich durch. Er und seine, bzw. unsere Mutter waren in dieser Zeit weggezogen. Ohne ein Wort zu sagen oder sonst was. Nicht mal wo er hin war. Einfach weg… Ich war tierisch sauer auf ihn. Erst gestand er mir seine Liebe und anschließend verpisst er sich einfach so. Nach der Wut, kam die Trauer und der Liebeskummer. Mit mir konnte man nichts mehr anfangen. War ein Nervlichäsfrack. Total labil. Um einen weitern Selbstmordversuch zu verhindern, zwang mich mein Vater zu einer Therapie. Anfangs war ich strickt dagegen, doch mit der Zeit merkte ich wie es mir half. Half mein Leben wieder zu regeln und nach vorne zu blicken. Meine Freunde brachten mich auf andere Gedanken. Nach diesem Sturz ging es Millimeter für Millimeter wieder Bergauf.

Nach Chris hatte ich keinen festen Freund mehr. Es ist für mich nicht leicht eine Beziehung ein zu gehen. Alles was ich in dieser Zeit immer wieder hatte, waren One night stands. Wobei ich mir damals schon immer versprach nie so was zu haben. Ohne Liebe wäre es bei mir nicht drin, doch von seiner großen Liebe so sehr enttäuscht zu werden, machten meine Vorsätze zunichte. Mit der Hilfe meiner Therapeutin, zu der ich immer noch gehe, bin ich gut über Chris hinweg. Außer unseren Eltern weiß nur sie dass er mein Bruder ist. Tag für Tag gehe ich arbeiten, lebe mein Leben. Nur eins fehlt. Und zwar die Liebe. Es ist eine große Lücke in meinem Herzen. Ob ich sie je wieder auffüllen kann??

Vor einem Jahr bin ich von daheim ausgezogen. Habe mit zwei Freundinnen eine WG in Köln gegründet. Meine Therapeutin riet mir dazu. Um über Chris hinweg zu kommen und alles zu verarbeiten, musste ich die Vergangenheit und die damit verbundenen Dinge hinter mir lassen.
Es sind zwei Jahre her. In der Zeit habe ich eingesehen, es kann mit uns nie und nimmer was werden. Wir überhaupt keine Zukunft haben. Es außerdem strafbar ist. Wenn wir erwischt wären, hätte es schwerwiegende Folgen für uns gehabt. Aber wer denkt bei der Lieb schon an die Folgen? Man ist so blind vor liebe. Vergisst andere Dinge. Irgendwo da draußen lebt mein Bruder… Ich hoffe ihm geht es gut und er hat ein schönes Leben. Vielleicht auch ne Freundin, die er liebt. Autsch der Gedanke tut doch noch etwas weh…Mittlerweile ist er 22 Jahre alt. Wie schnell doch die Zeit vergeht… Wie gern würde ich ihn noch ein einziges Mal sehen, doch dafür bin ich noch nicht bereit. Egal wie sehr ich mir auch einrede, dass ich über ihn hinweg zu sein, es ist gelogen. Jedoch habe ich gelernt damit umzugehen. Weiß er ist mein Bruder und basta. Shit schon wieder die Gedanken an ihn. Ich sollte mich auf den Abend mit meinen Freunden konzentrieren und spaß haben.

Mein Blick wandert durch die komplette Bar. Was ich erblicke stockt mir der Atmen. Er ist hier. Hier in dieser Bar. Nach zwei Jahren ist er einfach hier. Chris…mein Bruder…Er sieht immer noch so gut aus wie damals. Hör auf so was zu denken…Hoffentlich sieht er mich nicht. Mein Herz fängt schneller zu pochen. Wieso pocht es so? Lieb ich ihn etwa immer noch? Nein, nein, nein…schlag dir das aus dem Kopf . Momentan läuft alles super. Ich habe mir ein Leben, ohne ihn, aufgebaut. Es soll nicht wieder zerstört werden. Zwei mal hat er mir mein Herz gebrochen. Ein drittes Mal lasse ich es nicht zu. „Ähmm…Lara mir ist gerade noch eingefallen das ich was wichtiges zu erledigen habe.“ Sage ich schnell und laufe hastig Richtung Ausgang. Ihre fragende Rufe ignoriere ich. Bin darauf fixiert nicht von ihm gesehen zu werden. Muss der verdammte Ausgang ausgerechnet am anderen Ende der Bar sein und muss die Bar auch noch so voll sein. Man wird hin und her geschupst. Gerade verpasst mir jemand einen so heftigen Stoß, stolpere nach vorne und drohe auf den Boden zu knallen. In letzter Sekunde fangen mich zwei Hände auf. Lande bei einer Person in den Armen. Den Geruch kenne ich doch… Und wie ich den kenne. Und diese Wärme. Dieses Gefühl der Geborgenheit habe ich nur bei einer Person. Bei meiner großen Liebe. Bei der Liebe, die mir das Herz gebrochen hat. Bei meinem Bruder…Immer noch lehne ich an seine Brust. Traue mich nicht meinen Kopf zu heben. Ihm in die Augen zu schauen. Ob er bemerkt hat wer ich bin…? Ewig kann ich nicht so bleiben. Langsam löse ich mich von ihm. Ein paar Tränen steigen auf, die werden gut unterdrückt. Ich bin stark… Jetzt treffen unsere Blicke aufeinander. Wie gebannt starrt er mich an. Seine Augen sind weit aufgerissen. Er ist wohl genau so erschrocken darüber wie ich. Mein Herz ist froh…Lange halte ich nicht stand. Reiße meinen Blick von seinem und renne aus der Bar. Nun rollen die Tränen still meine Wange hinab.

Wieso nur? Wieso musste ich ihn jetzt sehen? Dafür war ich noch nicht bereit. Die ganzen zwei Jahre Therapie waren in dem Moment für den Arsch. Es kam alles wieder hoch. Was macht er bloß hier?? So plötzlich. Er bringt mein ganzes Leben durcheinander. Mit nur einer kurzen Begegnung. Immer gibst du ihm die Schuld… Er kann ja ebenso wenig dafür. Das sah man zu deutlich in seinem Gesichtsausdruck, doch es fällt mir leichter ihm einfach alles in die Schuhe zu schieben. Mein Herz hat es sich zwar immer gewünscht, das Verlangen wurde jedoch verdrängt. Man kann nicht immer auf sein Herz hören. Nicht immer zeigt es den rechten Weg.

Eine Woche ist nun vergangen. Seit dem Abend in der Bar habe ich ihn nicht noch mal gesehen. Wie konnte ich auch. Nach der Arbeit gehe ich gleich nach hause und sperre mich in meinem Zimmer ein. Mari und Lara fragen jeden Tag was ich habe. Ich habe meine Periode, sage ich als Ausrede. Langsam klappt es nicht mehr. Sie kennen mich lang genug und wissen es ist gelogen. Ununterbrochen muss ich an ihn denken. Meine letzten zwei Therapiestunden habe ich abgesagt. Die Gedanken schwirrten nur noch um ihn. Verdammt er soll aus meinem Kopf. Endgültig. Es geht nicht mehr. Nur ein kurzer Blick und mein ganzes Leben ist auf den Kopf gestellt. „Was ist los mit dir?“ reißt mich eine Frauenstimme aus meinen Gedanken. Mari steht in der Türschwelle meines Zimmers. Seit ein paar Stunden sitze ich hier mit runtergelassenem Rollo. Meine Therapeutin meinte immer ich soll mich einer Person anvertrauen. Einen Menschen der mir nahe liegt. Einer Freundin. Mari ist so ein Mensch. Ihr könnte ich alles sagen, doch ich traue mich nicht. Wenn sie wüsste das Chris mein Bruder ist. Ich mit meinem Bruder geschlafen habe. Was hält sie bloß von mir? „Deine Therapeutin hat angerufen. Sie meinte ich solle mit dir reden. Ich weiß zwar nicht was sie damit meint, aber ich finde auch du solltest mit uns reden. Du ziehst dich seit einer Woche hier her zurück und redest nicht mehr“ Scheiß Tränen…sie kommen immer im falschen Augenblick…Gut ich sag’s ihr jetzt.„Ich hab Chris gesehen…“ und schon sitzt se neben mir und hält mich fest im Arm. Sie weiß Chris war meine große Liebe. Nicht das er mein Bruder ist.
Ich erzähle ihr alles. Einfach alles. Sie sieht geschockt aus. Mir hingegen tat es gut. Eine gute Freundin als Untersthütung. Oder verachtet sie mich jetzt? „Warum sagst du so was nicht früher“ wieder liegen wir uns in den Armen.

Die Zeit vergeht. Tag für Tag. Mari hilft mir durchs Leben. Zehrt mich nach der Arbeit unter Menschen. Schickt mich wieder zur Therapie. Meine Therapeutin meint ich soll mich diesem Schritt stellen. Soll ihn noch einmal treffen. Mich mit ihm aussprechen. So würde es mir besser gehen. Habe ich den Mut dazu…? Leichter gesagt als getan. Wo soll ich ihn bitte finden? Kein Plan wo er wohnt. Ob er überhaupt hier in der Gegend wohnt. „Ich hab ihn“ kommt Mari in mein Zimmer gestürmt. „Wenn hast du?“ „Ich weiß wo Chris wohnt“ Buhm…ein schwerer rutsch. Jetzt soll ich im ernst mit ihm reden? Nein, das kann ich nicht. Wie soll ich im bloß unter die Augen treten? Mein Herz ist noch zu tief verletzt.„Komm wir gehen“ zehrt sie an meinem Arm. Wie in Trance bringt sie mich in mein Auto. Allein… „Wie…ich soll da allein hin?“ frage ich total überrempelt. Sie nickt erklärt mir den Weg und verschwindet in die Wohnung. Total verwirrt läst sie mich zurück. Langsam startet das Auto. Mache mich auf den Weg. Immer noch in Trance stehe ich vor dem besagten Haus. Mein Herz droht heraus zu springen. Meine Beine fühlen sich wie Butter an. Drohen beim Aufstehen einzuknicken. Ich kann doch nicht einfach klingeln…
Scheiße was jetzt? In dem Moment klingelt mein Handy. Mari… „Nicht kneifen. Geh rein“ sind ihre Worte und schon legt sie auf. Ist sie hier oder woher weiß sie das? Sie kennt mich wohl besser, als ich dachte. Noch einmal tief durchgeatmet steige ich aus. An der Tür klingle ich mit zittriger Hand.

Schwups ist sie offen. Er steht dort. In seiner vollen Pracht Mit diesen tollen Augen. Wie soll ich da mit ihm reden, ohne das verlangen in seinen Armen zu sein, seine Küsse zu spüren…Wieso mache ich es mir so schwer…?

„Äh…hi…ähm…ich…ich…“ Stoter net wie ne bekloppte…
„Komm rein“ sagt er relativ normal. Mit Butterbeinen tapse ich hinein. Wohnt er allein? „Ich wohne hier mit zwei Freunden“ ertönt seine traumhafte Stimme. Kann der Typ meine Gedanken lesen? Dein Bruder… Wir nehmen im Wohnzimmer auf der Couch platz. Meine ganzen Gefühle spielen verrückt. Bin glücklich, traurig, schwummrig, mir ist zum kotzen zu mute. Alles in einem. „Ich wusste garnet das du auch hier in der Gegend wohnst“ brach er diese eiserne Stille. Ach hätte er es gewusst wäre er wohl nicht her gezogen. Das ist mir ja einer. Die Wut steigt auf. Ganz ruhig…ganz ruhig… „Na dann kannst du ja wieder verschwinden“ zischt es zwischen meinen Zähnen hervor. „Willst du dass ich gehe?“ kontert er. „Dir ist doch eh scheiß egal was ich will“ Mit einem Ruck stehe ich auf und will gehen, doch hält er mich am Arm fest. „Lass mich los“ sage ich pampig. „Lauf nicht einfach weg“ „Ach das sagt ja der Richtige.“ antworte ich sauer und reiße mich aus seinem Griff, „Du warst doch derjenige, der einfach abgehauen ist ohne etwas zu sagen“ rede ich weiter und schupse ihn nach hinten. „Hast mir zweimal mein Herz gebrochen. Nur ein kleiner Blick von dir genügt um mein ganzes Leben, das ich mir in den zwei Jahren erbaut habe, ist dahin.“ Gifte ich und schupse ihn bei jedem Satz ein Stück weiter nach hinten bis er schließlich grob meine Hände packt. Au…er tut mir weh. Dieser Blick…wie er mich anschaut…es sagt mir schau mir in die Augen. Man könnte darin versinken. Er zieht mich näher an sich ran. Was hat er bloß vor…? All meine Gelenke werden zu Gummi. Plötzlich spüre ich das was ich mir in den zwei Jahren so sehr gewünscht habe. Seine Lippen auf meinen..

Nicht realisierend, was gerade passiert, stehe ich stock steif da. Eine wohlige Wärme durchströmt meinen Körper. Bis ich nachgebe und den Kuss erwidere. Schwächling…

Ich weiß es ist falsch, doch meine Gefühle, mein Herz haben die Oberhand ergriffen. Mein Hirn ist abgeschaltet und ich gebe mich ihm hin. Es ist so schön seine Lippen zu spüren. Seine wärme zu fühlen.


Unsere Küsse werden immer intensiver und gieriger. Gier nach mehr. Ich will ihn…Wir wissen beide es ist ein großer Fehler jetzt miteinander zu schlafen, doch wir denken nicht mehr. Ein Kleidungsstück nach dem anderen wird zu Boden geworfen. Bis wir schließlich auf der Couch liegen. Wie sehr habe ich mich nach seiner Nähe gesehnt. Wie sehr hat er mir doch gefehlt. Auch wenn ich es immer verdrängt habe, ich liebe in immer noch. So sehr wie am Anfang, wenn nicht so gar mehr. Es gibt keine gemeinsame Zukunft für uns. Wie sehr wir auch in dem Moment an nichts denken, danach werden wir bereuen was wir tun. Ich spüre ihn in mir. Spüre seine Hände auf meiner Haut. Kann die Zeit nicht stehen bleiben…nur für uns…

Wie vermutet bereue ich es danach. Egal wie schön es auch war. Wir sind nun mal Geschwister und diese Tatsache habe ich mittlerweile eingesehen, auch wenn es schwer ist. Wir liegen nebeneinander auf der Couch. Fixieren wortlos die Wand. Wie gern würde ich ihm jetzt sagen wie sehr ich ihn liebe. Ich darf und kann nicht… Wir beide haben uns ein Leben ohne den jeweiligen aufgebaut. Wir dürfen nicht wieder in das alte Schema verfallen. Ich hab’s endlich verstanden… Stehe auf und ziehe mich an. Ein letztes Mal schaue ich ihm tief in die Augen. „Ich wünsche dir ein schönes Leben“ hauche ich ihm ins Ohr, gebe ihm einen letzten Kuss und laufe Richtung Ausgang. Perplex bleibt er auf der Couch zurück. Ein letzter Blick ehe ich aus der Tür verschwinde. Sein Blick ist voller Trauer. Mein Herz weint…Es schmerzt ihn zu verlassen. Es geht nicht anders. Diesmal bin ich die verschwindet. Ob ich ihm sein Herz gebrochen habe? Er weiß ganz genau es kann niemals was werden. Was würde ich nicht alles tun um mit ihm zusammen zu sein. Nichts auf der Welt ermöglicht es uns.

Aus dem Autoradio ertönt Olivia mit Space Halo:
You tell me you love me Du sagst, dass du mich liebst
I watch you look out the window Ich sehe, wie du aus dem Fenster guckst
Into the luminous blue sky in den leuchtend blauen Himmel
With eyes of loneliness mit einsamen Augen
As if you had to go als wenn du gehen müsstest
...

Look into my eyes Guck mir in die Augen
Deep into my eyes Tief in meine Augen

I wish you would let go Ich wünschte, du würdest aufhören
Of your space halo mit deinem Abstandsheiligenschein
Come down here and live with me, Komm hier runter und lebe mit mir


Live with me Lebe mit mir

Wir sind schon gegangen. Beide ihre Wege. Einen gemeinsamen Weg gibt es für uns nicht. Egal wie sehr ich es mir auch wünsche. Ich wünschte wir würden nach oben gehen. Dort wo es keine rolle spielt was wir sind. Dort wo wir zusammen sein können. So etwas gibt es nicht.
Live with me..

...

~~~~~~~~~~~~~Teil 3~~~~~~~~~~~~
I would die for you

„Die erste die vor unsere Linse läuft wird flachgelegt“
„Ne…drauf habe ich kein Bock“
„Komm schon etwas Spaß könntest du mal wieder vertragen, so wie du dich in letzter Zeit benimmst“
„Nein, heute nicht“ „Ach komm oder glaubste der Aufgabe nicht gewachsen zu sein“
„Mich zu provozieren bringt dir auch nichts. Du kannst machen was du willst doch ich will nicht“
„Hmm…na schön wenn du nicht willst“
Auf so ein Spielchen habe ich einfach keine Lust. Wie viele Herzen haben wir so schon gebrochen!? Nur spaßeshalber. Nie machte ich mir darüber Gedanken. Nie nur seit…seit sie bei mir war. Sie…meine Schwester. Seit ich wieder liebe verspüre. Wahre Liebe. Liebe, die scheint verloren gewesen zu sein, doch nur verdrängt wurde. Wie sehr hatte ich mich in den ganzen zwei Jahren bemüht, nicht an sie zu denken. Nicht von ihr zu träumen. Sie nicht zu lieben. Wie schwer der Entschluss wegzuziehen für mich war. Ein neues Leben ohne sie zu beginnen…aufzubauen.

Bei meiner Mutter hielt ich es nicht lange aus. Wir saßen uns auf der Pelle und stritten ohne ende. Darauf entschloss ich kurzerhand zu meinen zwei besten Kumpels einzuziehen. Beide kenne ich aus dem Studium her.
Woher hätte ich auch wissen sollen, dass sie hier in der Gegend wohnt? Jeglicher Kotakt zu ihr brach ich ab. Und jetzt…ich Idiot. Wie konnte ich bloß mit ihr schlafen? Bin ich so schwanzgesteuert? In dem Fall nicht. Sie fehlte mir so sehr. Wollte ihr nahe sein. Zu nahe…ich Riesenidiot. Wir machen es uns nicht leicht.

Es gab dabei so einen kurzen Augenblick. Ein Augenblick indem alle Sorgen vergessen schienen. Alles gut zu sein schien. Wie gesagt nur kurz. Danach war alles wie vorher. Verboten!!

„Na endlich…ich habe die Auserwählte.“ Mit diesen Worten werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Wer wird diesmal das arme Opfer sein? Wieder eine die glaubt es sei Liebe im Spiel und am Ende total am Boden zerstört ist. Wie auch sonst immer.
Mein Blick folgt dem zeigenden Finger…zu ihr.
LILLY….meine Schwester. Die Spucke bleibt mir im Halse stecken. Wie hätte es auch anders kommen können. Wir wohnen nun mal in der gleichen Stadt. Es lässt sich nicht vermeiden, dass wir uns über den Weg laufen. Ein Glück hat sie mich noch nicht gesehen.
Momentmahl...zeigt sein Finger auf sie?? Sie soll sein Opfer sein??
Stopp…stopp…stopp…auf gar keinen fall. Er wird schön seine Finger von ihr lassen.
Mist…diese Gedanken. Wie kann ich vorschreiben wer Hand an ihr anlegt und wer nicht. Es läst sich nicht verhindern das sie mal einen Freund hat. Das sie sich in jemand anders verliebt. Das Recht habe ich nicht darüber zu bestimmen. Sie kann machen was sie will. Wir sind Bruder und Schwester. Jeder hat sein eigenes Leben. Jeder verliebt sich neu. Aber…mein Freund hier will ja keine Beziehung. Er wird sie danach eiskalt abservieren. Wie wirs immer machen. Wir Schweine…
Doch ich bin ihr Bruder und als Bruder kann ich meine Schwester auch…wie soll man sagen…beschützen? Wovor denn? Etwa davor das sie vielleicht ebenso ihren Spaß dran hat wie er? Argh…jeder einzelne Gedanke gilt ihr.
„Chris…hey Chris biste noch da?“
„Ähm…ja“ „Na hab ich nicht ein Glück. In dem Moment läuft so hübsches Ding vorbei“
Warum muss Leben nur so schwer sein? Wieso kann man sich nicht einfach normal, wie andere Menschen auch, verlieben? Aber nein, in meine Schwester, wobei diese Tatsache uns verborgen blieb.

Was für ein bezauberndes Lächeln sie hat. Fast wäre dieses Lächeln erloschen. Dieser bescheuerte Selbstmordversuch. Ein Riesenschock. Wie erleichtert die Miteilung der Ärzte war, sie sei über den Berg. So eine bescheuerte Idee, wobei ich zugeben muss anfangs auch gedacht zu haben ohne sie nicht leben zu können. Es ist schwer jedoch machbar.
„Dann geht’s mal los“ Daniel reibt sich die Hände und macht sich startklar. Irgendwie muss ich ihn aufhalten. Wie? Er weiß nichts von meiner Vergangenheit. Weiß nichts von Lilly und mir. Weiß nichts von meiner Schwester, die ich zudem auch noch über alles liebe.

„STOP“ Ach wie einfallsreich von mir. Daniel zuckt zusammen. „Wasn los?“
Ne Ausrede muss her. Denken…denken…denken…
„Ähmm…nun ja…du sollst wissen…ich…ich hab sie schon flachgelegt. Du willst doch nicht mit einer in die Kiste steigen, die ich schon erobert habe“
Zwar ziemlich arrogant und machohaft diese Ausrede, doch was soll’s, was tut man nicht alles.
Dem Anschein nach funktioniert es sogar. Er ist am überlegen. „Ach was soll’s. Die ist echt sexy. Das lass ich mir doch nicht entgehen“ Mist…
Er erhebt sich.
„…ähh…sie ist nicht gut im Bett…“ stottere ich verzweifelnd.
Daniel mustert mich kritisch „Sag mal Chris du verheimlicht mir doch etwas. Irgendwie versucht du mich davon abzuhalten zu ihr zu gehen. Hab ich da was verpasst?“
Ich komm mir hier wie in einem Verhör vor und ich auf der Anklagebank.
„Ahh ich verstehe du hast wohl ein Auge auf sie geworfen“ zwinkert er mit einem dreckigen Grinsen.
„Nein, das ist es nicht. Weißt du was…geh zu ihr. Ich glaub zwar nicht das du eine Chance bei ihr hast, aber wenn du es probieren willst“
Sie wird nicht so dumm sein und auf ihn hereinfallen. So ne Absage wird Daniel mal gut tun. Er hebt zu sehr ab. Glaubt jede haben zu können. Das er mich wirklich dazu gekriegt hat bei diesen Spielchen mitzumachen. Zu vielen habe ich so schon wehgetan. Was habe ich mir davon erhofft? Sie etwa zu vergessen? Egal was ich tue immer denken ich an sie. Ob ich es will oder nicht. Sogar beim Sex mit anderen ist ein Teil meiner Gedanken bei ihr.
Ist das nicht schon krank? Krank nach Liebe!?
„Bist du dir sicher. Wenn du was dagegen hast sag’s“
„Nene...hab du nur deinen spaß“ „Du bist schlimmer als ne Frau mit deinen Stimmungsschwankungen“ gibt der gute zu seinem besten.
„Ja ja, sei mir nicht böse wenn ich jetzt nachhause gehe. Du hast ja wahrscheinlich eh etwas Besseres zu tun“
Wieder einer seiner skeptischen Blicke, doch der ändert sich bei ihrem Anblick zu einem Grinsen. Erinnert mich an damals. Wie ich mich in sie verliebt habe. Zu der Zeit war alles noch in Ordnung. Tja ich muss in die Zukunft blicken.

Schlafen fällt mir schwer. Mittlerweile ist es drei Uhr in der Nacht. Um sechs muss ich wieder aufstehen. Der Grund meiner schlaflosen Nacht, Daniel ist immer noch nicht zurück. Bedeutet es was Schlechtes? Oh…man so kann es nicht weiter gehen. Vielleicht wäre eine Freundin gar nicht mal so schlecht. Kann ich eine Freundin haben und dabei eine andere lieben?

Piep…piep…piep…scheiß Ding muss es jetzt klingeln. Gerade mal etwas über zwei Stunden betrug mein Schlaf. Jetzt heißt es fertig machen und ab zur Uni. Super so verschlafen wie ich bin bekomme ich dort eh nicht viel mit. „Na auch schon wach“ Ein grinsender Daniel reißt die Tür auf. „Warum bist du schon so fit? Und wann bist du nach hause gekommen?“ grummle ich rum. „Bist du meine Mutter oder warum fragste so“
„Haha sehr witzig“
„Du willst wissen ob was mit der einen lief. Leider nicht. Die ist ziemlich hartnäckig, aber so leicht lass ich nicht locker.“
„Und wo warst du die ganze Nacht“
„Jetzt hörst du dich wirklich an wie meine Mutter. Warst du etwa die ganze Nacht wach?“ „Ich konnte net pennen“
„Na ja wenn die, sie heißt übrigens Lilly, schon nicht angebissen hat, hab ich mir eben jemand anders zum vergnügen gesucht“ grinst er.
„Du bist echt unmöglich“
„Mein guter du bist auch nicht besser“ ruft er beim Verlassen des Zimmers nach. Ein glück. Es lief nichts zwischen den Beiden. Wusste doch dass er mit seinen billigen Anmachsprüchen bei ihr nicht laden wird. Mir wäre es lieber, wenn sie einen Freund hat, es keiner meiner Freunde ist. Das könnte ich nicht ertragen.

Vier Tage sind nun rum. Alles wieder beim alten. Der übliche Alltag eben. Lernen für die Uni und später noch arbeiten. „Chris…kannst du mir mal helfen?“ ertönt Bennys Stimme. Benny ist der Dritte hier im Bunde. Von der Art her ist er wie ich damals. Bevor mich Daniel …na ja...nennen wir es mal verändert…hat. Eher zu negativen wohl bemerkt. Benny hält nix von den Spielchen mit dem Abschleppen und dem ganzen kram. Er ist glücklich mit seiner Freundin zusammen.
„Hey Guys.“ kommt ein strahlender Daniel ins Zimmer
„Die von letztes Mal, die Lilly, hab doch gesagt ich krieg die noch rum“ Vor Schreck über das Gesagte lasse ich den Tisch, den ich und Benny gerade auf die andere Seite stellen wollten, fallen.
„Shit Chris sag wenn du den Tisch loslässt. Fast wäre mein Fuß darunter gelandet.“ meckert Benny. Davon bekomme ich recht wenig mit. Immer noch geschockt über die Worte. Wie er hat sie rum gekriegt?
„Was schaust du so blöd…hättest wohl nicht mehr gedacht das ich es noch schaffe“ winselt Daniel rum.
Was soll ich sagen…
„Na ja ich bin ehrlich. Ganz habe ich sie noch nicht rum gekriegt. Aber nen Date mit ihr habe ich“
„Ein Date du??? Heißt es nicht bei dir. Mitnehmen vögeln und dann weg werfen“ stellt Benny fest.
„So würde ich es nicht sagen. Ich beglücke sie und außerdem ist sie irgendwie anders. Ich weiß auch nicht. Nicht nur eine fürs Bett“
Benny und Daniel fangen an zu diskutieren. Aus meinem Mund kommt die ganze Zeit kein einziger Ton. Ist mein guter Freund drauf und dran sich zu verlieben? In die, die ich liebe? In meine Schwester? Erst verliebt er sich nie und wenn es mal soweit ist muss es ausgerechnet sie sein. Als wäre die Tatsache wir sind Geschwister nicht schon strafe genug. Nein, auch das noch.
„Ähm…Benny, Daniel kann dir bei dem Tisch sicher helfen. Ich muss noch Aufgaben für die Uni erledigen“ Total verwirrt schleiche ich ohne auf eine Antwort zu warten zurück in mein Zimmer. SCHEIßE!!!

Weitere drei Tage sind vergangen. Daniel war von dem Date ja so was von begeistert. Na super…etwas verknallt ist er schon. Vielleicht ist es ja mal gar nicht so schlecht. Es ist eine harte Probe für mich, falls die Beiden wirklich zusammen kommen sollten. Oder soll ich es verhindern? Bin hin und her gerissen.
Wieder einer dieser schlaflosen Nächte. Klasse…Sinnlos im Bett rum zu liegen. Erstmal in die Küche. Mit langsamen und leisen Schritten begebe ich mich dorthin. Möchte keinen wecken. In der Küche angekommen schnappe ich mir eine Flasche Wasser und will gerade zurück ins Zimmer als…als ich etwas sehr unerwartetes und zugleich zutiefst verletzendes sehe. Lilly steht im Flur an die Wand angelehnt und Daniel stützt sich mit seinen Händen links und rechts von ihr an der Wand ab. Die Beiden sind in einen tiefen Kuss versunken. Es versetzt einen großen Stich in mein Herz. Ich muss hier weg…leise tapse ich Schritt für Schritt nach hinten. Zum glück ist alles relativ dunkel und sie haben mich nicht entdeckt. Zu früh gefreut. Die Dunkelheit hat auch seine Nachteile. Knalle mit meinem Fuß gegen so einen kleinen Tisch der sinnlos im Flur rum steht. Wer hat das scheiß Teil bloß dahingestellt? Dabei ertönen unüberhörbare Geräusche. Jemanden schaltet das Licht an. Entgeistert schauen mich zwei Augenpaare an.
Missliche Lage…
„Chris?“ kommt leise aus ihren wunderbar geformten Lippen hervor. Hat sie schon vergessen dass ich hier wohne? Ihr besuch hier ist noch nicht lange her.
„Was machst du denn hier?“ fragt Daniel leicht irritiert.
„Ich wohne hier.“ Blöde Frage, blöde Antwort. „Last euch nicht stören“ versuche ich aus dieser Situation zu entkommen. Daniel möchte noch irgendetwas sagen doch ich verschwinde vorher in mein Zimmer. Verflucht warum nur? Das nächst beste was mir im Zimmer in die Hände gelangt werfe ich mit voller wucht gegen die Wand. Habe so viel Wut in mir. Eher ich den zweiten Gegenstand, den ich schon in der Hand halte, werfen kann umschlingen mich zwei Arme von hinten. Mein Herz hört auf zu schlagen. Diese Wärme es kann nur eine sein. Etwas nasses spüre ich auf meinem Rücken. Eindeutig Tränen. Unfähig zu reagieren verharren wir so.
Schon wieder sind wir an solch einen Punkt angelangt.

„Lass los“ flehe ich schon fast. Anstatt loszulassen wird ihr Griff fester. Der Gegenstand in meiner Hand bahnt sich den Weg zu Boden.
„Bitte“ endgültiges Flehen. Ihr Kopfschütteln spüre ich.
„Was sollen wir bloß tun?“ ertönt ihre weinerliche Stimme. Gute Frage. Ich weiß es nicht. „Ich kann dich nicht vergessen, egal wie sehr ich es auch versuche. Ich liebe dich“ fügt sie bei. Was soll ich antworten? Nochmals ihr Herz brechen, sowie meins?
„Sag was…bitte“ ihre Stimme droht zu versagen.
„Lilly es geht nicht“ Sie vergräbt ihren Kopf mehr in meinem Rücken. „Doch es geht“
„Wie stellst du dir das vor?“
„Liebe überwindet alles“
„Auch die Tatsache das wir Geschwister sind!?“ Alles scheint durcheinander. Nichts geplant. So falsch und doch so schön.
„Wenn du mich liebst“ antwortet sie drauf. Soll ich nachgeben? Nachgeben und gestehen was sie es schon weiß? Einer muss stark bleiben. Bin ich’s diesmal?
„Chris…liebst du mich denn nicht mehr?“


~~~~~~~~~~~~~Teil 4~~~~~~~~~~~~
To the moon and not back.....


Normal geschrieben-Chris Sicht, Kursiv geschrieben-Lillys Sicht

Ja, ich liebe sie und wie ich sie liebe. Kann ich ihr das auch sagen? Ist vielleicht genau jetzt der richtige Zeitpunkt um mit allen dem abzuschließen? Unsere Liebe endgültig aufgeben und nicht mehr hoffen es könnte sich noch irgendwann ändern? Wir machen uns gegenseitig kaputt. Bald werden wir daran zerbrechen.
„Lilly…es ist-“ „Nein, hör auf Drumherum zu reden. Ja oder nein?“ fällt sie mir ins Wort.
Kalter Schweiß läuft mir übers Gesicht. Nie und nimmer könne ich nein sagen. Mein Herz würde in tausend Teile zerspringen.


Warum antwortet er nicht endlich? Mein Herz erträgt das Warten nicht mehr. Meine Ohren möchten ein „Ja“ hören. Ein Ja aus tiefstem herzen. Egal was dann kommen möge. Habe beschlossen nicht mehr nachzudenken was dann sein könnte, sondern hier und jetzt zu Leben. Die ganz große Liebe findet man nicht oft im Leben. Ich habe sie gefunden und möchte sie nicht mehr loslassen. Seine warme Haut fühlt sie so gut an. Am liebste würde ich Chris nie wieder loslassen. Sag ja…sag ja…

Sag ja…Chris sag ja… Mein Herz sagt ja mein Verstand nein. Auf was von Beiden soll man hören? Welcher ist der richtige Weg? Wie finde ich ihn? Wer sagt es mir? Ihr Atmen spüre ich am Rücken, ebenso die letzten Tränen. Sag ja…sag ja… Es handelt sich nur um ein einzig kleines Wort, das über unsere Liebe bestimmt. Einfach ja!
„Lilly…ich…ach…ja!“ Es ist gesagt. Ich habe ja gesagt. Ihr Griff um mich wird immer fester.
„Danke“ flüstert sie schluchzend.
Zögernd dreh ich mich zu ihr um. Zum ersten Mal seit unserem heutigen zusammen treffen sehen wir uns in die Augen. Die nassen Spuren ihrer Tränen sind noch auf den Wangen zu sehen. Sanft wische ich sie weg und nehme sie fest in die Arme. Lilly zittert am ganzen Körper, was mich veranlasst sie noch mehr an mich zu drücken. Bitte las die Zeit stehen bleiben…


Endlich berühren sich unsere Lippen. Seine sanften Lippen. Wie sehr ich ihn doch liebe. Dein Bruder… Scheiß Gedanke verschwinde. Mir doch egal was er ist. Was bedeutet schon das Wort Bruder. Wir stammen von den gleichen Genen ab, was der einzige Nachteil besitz, wir dürfen keine Kinder zeugen, da sie wahrscheinlich Behindert zur Welt kommen, doch wer denk jetzt schon übers Kinder kriegen nach. Wir sind jung und haben unser ganzes Leben vor uns. Schwere sowohl als auch gute Zeiten werden auf uns zu kommen, die wir gemeinsam überstehen.
„Kann mir mal jemand erklären was hier abgeht?“ ertönt Daniels Stimme hinter mir. Erschrocken lassen wir voneinander ab und schauen zu ihm. Na super auf Erklärungen habe ich momentan keine Lust. Es ist spät und ich bin hundemüde. „Leg dich hin, ich red mit ihm“ flüstert mir Chris ins Ohr. Überrascht schaue ich ihn an. Er weiß immer wieder was ich denke. Er gibt mir einen letzten Kuss auf die Stirn und verlässt mit Daniel das Zimmer. Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend lege ich mich hin.


Allmählich sollte ich ihm die Wahrheit sagen, wobei ich zu geben muss Angst vor seiner Reaktion zu haben. „Also jetzt erklär mal warum sie so schnell zu dir hoch gelaufen ist und ich euch dann knutschend wieder finde“ gibt Daniel verärgert von sich. Seufzend lasse ich mich auf die Couch fallen. „Da gibt es einiges was du nicht weißt“ entgegne ich und fahre mit den Händen über mein Gesicht. „Da bin ich ja mal gespannt“ Kurzes nachdenken um die passende Worte zu finden. „Lilly und ich kennen uns schon länger und wir waren ne Zeit lang zusammen, aber uns verbindet noch eine andere Sache, die uns selbst sehr schockiert hat. Lilly ist meine Schwester…“
Daniel sitzt die ganze Zeit über nur da und hört sich meine ganze Geschichte an. Es sprudelt nur so aus mir heraus. So lange schon wollte ich mit jemanden darüber reden und es tut gut es endlich zu tun. Daniels Gesichtsausdruck wird immer entsetzter, was sehr unangenehm ist.
„Spinnst du“ fährt er am ende meines Geständnisses hoch, „sie ist deine Schwester. Findest du das nicht selbst krank?“
Enttäuscht lehne ich mich auf der Couch zurück. „Ich dachte wenigstens du würdest mich verstehen, da lag ich wohl falsch“
„Was erwartest du von mir. Soll ich mich für euch freuen“
„Ja könntest du. Etwas Verständnis hätte ich von meinem Freund erwartet“ fahre ich ihn sauer zurück. „Bitte Chris. Was versprichst du dir davon? Glaubst du wirklich das mit euch wird gut gehen? Das sind Hirngespinste“
Gereizt erhebe ich mich von der Couch und laufe im Wohnzimmer auf und ab. „Ich liebe sie eben. Ich kann meine Gefühle nicht so einfach abstellen“ „Doch Chris, das kannst und musst du. Es wird nicht gut gehen“ „Das sagt du doch nur damit du sie haben kannst“ erwidere ich noch wütender. Daniel erhebt sich ebenfalls und packt mich an der Schulter. „Ich bin dein Freund und will dir nur helfen. Du verrennst dich da in etwas“ „Auf solche Freunde kann ich echt verzischten“ zische ich zurück und laufe wütend hoch ins Zimmer zurück.
Oben schläft Lilly friedlich im Bett. Meine aufgebrachte Stimmung mildert sich bei diesem Anblick. Ein solch zauberhaftes Geschöpf soll ich wegstoßen? Erschöpft und mit tausend Dingen, die in meinem Kopf rumschwirren, lege ich mich zu ihr ins Bett. Sogleich dreht sie sich mit geschlossenen Augen in meine Richtung und schmiegt ihren warmen Körper an meinen.


Die ersten Sonnenstrahlen scheinen durch das Fenster direkt auf meinem Gesicht. Langsam schaue ich zu der Person, an die ich angeschmiegt bin hoch. Chris ist schon wach und schaut mich an. „Morgen…bist du schon lange wach?“ frage ich verschlafen. „Hm…geht so“ antwortet er knapp und schaut mich weiter hin so an. So als ob ihm tausend Dinge auf einmal durch den Kopf gingen. Irgendwie beunruhigend. „Warum schaust du mich so an?“ frage ich letztendlich nach. „Wie denn?“ Er scheint so weit weg zu sein. „Ich weiß nicht, aber dich scheint etwas zu bedrücken“ Mit einem Schlag wirkt er wieder vollkommen normal. „Tut mir leid mir schwirren nur so viele Dinge durch den Kopf“ „Aber etwas bedrückt dich am meisten“ Er wendet seinen Blick von mir und legt sich auf den Rücken. „Daniel hat die Wahrheit sich so gut aufgenommen“ „Und was von allem?“ frage ich und setzte mich im Bett auf. „Alles“ antwortet Chris bedrückt. „es wird nicht leicht werden. Keiner wird hinter uns stehen“. Kurzes schweigen.
„Chris…tun wir das Richtige?“ „Ich weiß es nicht“


„Benny fang du nicht auch noch damit an“ schnaube ich wütend. Zwei Tage sind seit dem Streit mit Daniel vergangen. „Doch das muss ich wohl, damit du zur Vernunft kommst“ „Inwiefern? Warum glaubt ihr ich solle zur Vernunft kommen? Ich weiß ganz genau was ich tue“ schreie ich zurück und laufe durch das Haus, gefolgt von Benny. „Chris das ist doch albern. Wie kannst du ne Beziehung mit deiner Schwester führen“ erwidert er in einem besorgten Ton. Wie ich es hasse wenn sie alle auf besorgt tun. „Du weißt ganz genau unter welchen Umständen es dazu kam“
„Ja, ihr wusstet zwar nicht dass ihr Geschwister seid, doch seid längerem schon und das ist ein guter Grund es zu Beenden“ Ich halte still und starre Benny ernst in die Augen.
„Was würdest du tun, wenn sich plötzlich herausstellen würde das Jenny deine Schwester wäre? Würdest du sie verlassen? Würdest du seine Gefühle ihr gegenüber einfach abstellen können?“ Er ist verstummt und wirkt nachdenklich. Zornig stampfe ich zur klingelnden Haustür. Mit verheulten Augen steht Lilly vor der Tür. Sogleich lasse ich sie eintreten und wir gehen hoch in mein Zimmer, wobei wir am immer noch verdutzt ausschauenden Benny vorbei laufen und ich ihm noch einen vernichtenden Blick zu werfe.
Oben angekommen erzählt Lilly mir sie habe ich mit ihren Mitbewohnerinnen und sogleich auch Freundeinen gestritten. Den Grund ihres Streites kann sich wirklich jeder denken. Auf unsere Freunde können wir nicht zählen, sie haben sich gegen uns gewannt. Mit unseren Eltern brauchen wir zu 100 % nicht rechnen.


Alle sind sie gegen diese Beziehung. Wieso verlangen alle von mir meine Liebe zu verlassen? Wieso habe ich ihnen davon nur erzählt? Ein großes verlangen breitet sich in meinem Körper aus.
„Chris... schlaf mit mir“ hauche ich ihm ins Ohr. „Was“ verdutzt schaut er mich mit seinen azurblauen Augen an. „Nimm mich“ flüstere ich. „Lilly aber...“ weiter kommt er nicht, da ich seine Worte in einem leidenschaftlichen Kuss ersticke. Ich bin ebenso überrascht wie er über meine Aktion. Es kam einfach über mich, das Verlangen ihm ganz nahe zu sein, da ich dabei all die Sorgen vergesse. Nach leichtem zögern gibt er auf und macht mit. Nicht beachtend oder besser nicht interessierend ob wir im Haus alleine sind oder nicht. Eine kleine Träne rollt mir die Wange hinab, die Chris ohne ein Wort zu sagen weg küsst. „Zeig mir liebe“ flüstere ich schwer atmend.

Erschöpft sinken wir in die Kissen zurück, als plötzlich die Tür mit einem Schlag aufgerissen wird und wir mit entsetztem die Personen, die an der Türschwelle stehen, anstarren.
Unsere Eltern…
Ebenso entsetzt über das was sie hier vorfinden oder besser wie sie uns vorfinden, wandelt ihr Gesichtsausdruck zum strengen und wütendem über. „Seit ihr noch ganz bei Trost. Steht sofort auf und zieht euch an“ brüllt unser Vater sehr zornig. Hilfe suchend schaue ich zu Chris, der zu meinem erstaunen total gefasst wirkt.


Na bitte, das hat uns gerade noch gefehlt. Wie haben die jetzt davon Wind bekommen? Hach was soll’s…ich hab mich mit dem Gedanken, das niemand hinter uns steht, abgefunden. Sollen sie ruhig ihren aufstand führen, was bringt es. Wollen sie die Polizei rufen? Ihre eigenen Kinder bei denen verpfeifen? Das glaub ich weniger. Lilly schaut mich ängstlich an. Um sie zu beruhigen drücke ich ihre Hand und schenke ihr ein aufmunterndes Lächeln.
„Ihr könnt euch euer Gerede sparen. Diesmal bringt ihr uns nicht auseinander. Diesmal nicht“ erwidere ich ernst und ruhig. Der Zorn in den Augen unseres Vaters lodert in hohen Flammen. Unsere Mutter ist nicht weniger wütend „Was ist bloß in euch gefahren“ brüllt er zurück, „ihr seit Bruder und Schwester. Hört ihr…Geschwister!!“
Lilly drückt meine Hand mit solch einer Kraft, das ich schon glaube sie wird sie zerquetschen. Ich spüre sie hat Angst und bekommt Panik. „Können wir weiter reden wenn wir uns angezogen haben?“ Bin selbst davon überrascht wie locker ich beim reden bleibe. Mit viel Mühe, um seinen Zorn im Zaun zu halten, verlässt er mit unserer Mutter das Zimmer und schließt hinter sich die Tür. Lilly läst sich leichenblass auf die Kissen sinken.
„Ziehen wir uns an“ meine ich kühl und steige aus dem Bett. „Warum lässt es dich so kalt ?“ fragt sie mit zittriger Stimme. Nachdem ich mir meine Boxershorts übergezogen habe knie ich mich aufs Bett, packe ihr Kinn, damit sie mir genau in die Augen schaut. „Sie werden uns nicht auseinander bringen. Das lasse ich nicht zu. Verstanden“ Zögerndes nicken ihrerseits.
Mal schauen ob ich das wirklich schaffe. Kein Plan wie ich vorgehen soll.


Panik…Panik...verfluchte Panik. Solch eine Panik habe ich nie verspürt. Werde ich Chris wieder wegen unseren Eltern verlieren? Nein dazu darf es nicht kommen.
„Beruhig dich. Es wird schon alles gut werden“ flüstere Chris mir ins Ohr und packt meine Hand. Auf in den Kampf. Unten im Wohnzimmer treffen wir auf sie und wenn wir dort noch erblicken verpasst mir einen weiteren Schlag. Chris Mitbewohner Daniel und Benny, ebenso Mari und Lara sitzen dort. Waren sie es? Haben sie es unseren Eltern gesagt? Meine Panik vermischt sich mit Wut. Wut auf die ganze Welt…Wut auf die Menschen.
„So ihr wollt reden“ sagt Chris weiterhin gelassen.
„Es gibt nichts zu sagen. Ihr werdet auch trennen und fertig. Was wollt ich mit diesem Spielchen erreichen? Wollt ihr uns heimzahlen das wir euch verschwiegen haben was ihr seid“ erwidert unser Vater selbstsicher und wirft mir einen bedrohlichen Blick zu. „Schon mal was von Liebe gehört“ kontert Chris. „ Liebe das ist doch lächerlich“ „Ach nur will du nie erfahren hast was wahre Liebe ist, VATER“ Chris betont das Wort Vater extrem. Beide kommen sich bedrohlich nahe. Ich könnte mir vorstellen das beide keine Scheu besitzen sich gegenseitig eine Reinzuschlagen, auch wenn sie Vater und Sohn sind kennen sie sich überhaupt nicht. Hilflos stehe ich daneben. Versuche Chris am Arm fest zu halten, doch er stößt meine Hand ab. „Das bringt do...“ weiter komme ich nicht da sich ein heftiger Schmerz auf meiner linken Wange ausbreitet. Alle sind sie still. Entgeistert schaue ich MEINE Mutter an, die ihre Hand immer noch in der Luft hält. Sie hat mir doch wirklich eine gescheuert. Auf ihrer Wange zeigen sich nasse spuren, die eindeutig von Tränen abstammen.

„Ok, ok jetzt beruhigen sich alle mal wieder. So kommen wir auch nicht weiter. Es ist wohl besser wir schlafen alle noch mal ne Nacht drüber und klären das morgen“ mischt sich Daniel in die heikle Situation ein. Ohne ein Wort zu sagen packt unsere Mutter unseren Vater am Arm und schleift ihn raus. Mari und Lara werfen mir noch einen besorgten Blick zu, den ich kühl erwidere, und verlassen ebenfalls das Haus.


Das es jemals so an Ausmaß annimmt hätte ich nie für möglich gehalten. Lilly sitzt auf der Couch und ist kaum ansprechbar. Daniel und Benny sitzen ebenfalls im Wohnzimmer und sagen kein Ton. „Na bitte habt ihr erreicht was ihr wolltet, ach ne ihr wollt uns ja auseinander bringen, wie konnte ich das nur vergessen“ funkle ich die Beiden an und lasse mich neben Lilly auf die Couch nieder. Warum mussten wir uns damals verlieben? Liebe kennt keine Grenzen…
Lilly seufzt laut auf, was unsere Blicke auf sich lenkt. „Alles in Ordnung?“ frage ich sie leise worauf sie mit einem Nicken antwortet. Daniel erhebt sich zeitgleich und verschwindet ohne einen Ton. Benny schaut bedrückt zu Boden. „Ich mach euch einen Vorschlag“ bricht er jedoch die Stille. Erstaunt blicken wir Beide zu ihm. „Man kann euch nicht auseinander bringen, was ich einigermaßen akzeptiere und verstehe.“ Haben meine Worte solch einen Einfluss gehabt? „Ihr solltet von hier weg ziehen. Irgendwohin wo euch keiner kennt. Mein Onkel, der an der Ostsee wohnt, würde euch schier für ne zeitlang aufnehmen, bis ihr euch ein neues Leben aufgebaut habt“ Verblüfft über diese Worte reiße ich die Augen auf.
„Da gibt es doch einen hacken“ erwidere ich misstrauisch. Benny blickt abwechselnd zwischen mir und Lilly her. „Nein. Ich werd ihn gleich mal anrufen. Ihr müsst so schnell wie möglich hier weg“ und schwups hat er schon das Zimmer verlassen. Immer noch nicht realisierend was gerade geschah, sitzen wir da. Sollen wir das wirklich wagen? Hier wegziehen und uns ein neues Leben aufbauen? Ohne unsre Familie und ohne unsere Freunde? Schaffen wir das?
„Ich finde das eine gute Idee“ reißt Lilly mich aus meinen Gedanken. Ihre Augen strahlen einen kleinen Funken Hoffnung aus. Ihre linke Wange zeigt einen roten Abdruck.

„Ok er hat nichts dagegen“ Schreckhaft zucken wir zusammen. „Hast du ihm etwa gesagt warum?“ erkundige ich mich. „Nicht ganz. Ich hab ihm verschwiegen das ihr Geschwister seid, nur das ihr Probleme habt. Mein Onkel ist bei solchen Dingen recht spontan und wird auch nicht nachfragen was für Probleme das sind. Ihr solltet aber noch heute losfahren, ehe weiter Probleme auf euch zu kommen.“
Wie schnell das Leben sich ändern kann. Was innerhalb nur eines Tages passieren kann.
„Ich werde erstmal nachhause fahren und meine Sachen packen“ flüstert Lilly mir ins Ohr, berührt einen kurzen moment mit ihren Lippen die meine und verlässt das Haus.
Wie kann ich Benny nur jemals dafür danken? Er ermöglicht uns eine zweite Chance, die wir nutzen werden und uns nicht kaputt machen lassen.
„Benny ich…“ „Keine Ursache“ fällt er mir ins Wort und grinst spitzbübisch. Ohne weitere Worte zu verschwenden umarme ich ihn. Meine Dankbarkeit kann man nicht in Worte fassen.
„Nutzt eure Chance und genießt das Leben. Wir werden uns sicher mal wieder sehen und keine Angst von mir erfährt keiner etwas“


Wir tun es wirklich. Wir verziehen uns, mit der Aussicht auf ein besseres Leben, eine bessere Zukunft. Es wird nicht einfach sein einen neuen Job zu finden und Chris ist ja mitten im Studium, doch egal wie schwer es auch wird, wir packen es gemeinsam. Wir werden eine gemeinsame Zukunft haben, was ich nie für möglich hielt. Ein Hupen vernehme ich vor dem Haus und nach einem Blick aus dem Fenster erfahre ich auch wer es ist. Chris wartet mit seinem Auto vor der Haustür. Von Mari und Lara konnte ich mich nicht mehr verabschieden, ein Brief für sie brachte ich auf die Schnelle noch zustanden. Ich hoffe sie verstehen meine Entscheidung und sind nicht allzu wütend.
Mit einem Koffer und einer Tasche bepackt laufe ich das letzte Mal durch den Flur. Mein ganzes hab und gut ist darin verstaut. Am Auto verpacken wir meine Sachen und fahren los. Los in ein neues Leben, in eine hoffentlich bessere Zukunft. Unser Neuanfang…gemeinsam.
Aber ist es wirklich die richtige Entscheidung?

„Chris…tun wir das Richtige?“


Diese Frage stellte sie mir schon einmal und darauf habe ich mit einem weiß nicht geantwortet, doch jetzt bin ich mir sicher.
„Ja, wir tun das Richtige.“


Wie schön das aus seinem Munde zu hören. Ja…ja…ja… Wie ich dieses kleine Wort doch mag. Jetzt breitet sich auf meinem Mund und sowohl auch auf seinem ein herzhaftes Lächeln aus. Unsere Zukunft! Eine Zukunft mit dem, den ich über alles liebe. Er sitzt neben mir und ich kann es noch gar nicht so richtig fassen.

„Chris …ich liebe dich“

„Ich liebe dich auch“

Auf geht’s…



~~~~~~~~~~~~~Teil 5~~~~~~~~~~~~
Smooth


„Hör auf. Ich glaub es war wohl doch keine so gute Idee dass wir abgehauen sind“ schrie Lilly aufgebraust durch das Zimmer und ließ sich aufs Bett nieder.
„Das glaub ich langsam auch. Es sind vier Monate vergangen und fast jeden Tag streiten wir uns. Ich kann’s net mehr hören“ schnaubte Chris zurück und stützte sich am Fensterrahmen ab.
„Ach, du kannst es nicht mehr hören. Wenn du nicht immer so viel meckern würdest“
„Meine Liebe, es gehören immer zwei dazu, falls du es vergessen hast“
Seit vier Monaten wohnen sie nun schon hier bei dem netten Onkel von Benny. Sie haben es wirklich gut hier, dennoch bekommen sie sich immer wieder in die Harre. Es sind meist belanglose Dinge, doch es entsteht immer ein Streit draus. Lilly und sowohl auch Chris haben genug von den Streitereien. Sie wollen das dies ein Ende hat, doch eine Trennung käme für sie nicht in frage. Was haben sie nicht alles getan um endlich friedlich zusammen sein zu können. Dies wollen sie nicht aufgeben, egal wie oft sie sich auch streiten, doch gibt es einen anderen Ausweg? Gegensätze ziehen sich bekanntlich an.
Vielleicht sind sie zu gleich. Geschwister streiten sich des Öfteren und es könnte sein das diese Tatsache auch bei ihnen eintrat. Ist es nicht mehr als Geschwisterliebe? Dachten Beide die Liebe, die sie füreinander empfinden, sei mehr als nur Geschwisterliebe, da sie sich ein leben lang nacheinander gesehnt haben?!
„Lilly könnte es sein, das-“ „Sprich es nicht aus ich weiß was du sagen willst“ unterbrach sie ihn und lächelte traurig. Ein Vorteil hatte es Bruder und Schwester zu sein, sie wussten fast immer was der andere dachte.
„Glaubst du es? Glaubst du wirklich dass wir uns die ganze Zeit etwas vorgemacht haben? Glaubst du unsere Liebe ist nur Illusion, glaubst du wir haben uns einfach nach Liebe gesehnt und uns eingeredet sie ineinander zu finden? Glaubst du es wirklich?“ schüttete Lilly ihm ihr Herz aus. Bedrückende stille herrschte im Raum. Wie lange schon wollte Chris sie darauf ansprechen, doch hatte nie den Mut dazu und wie lange schon spürte Lilly seine Zweifel und Abneigungen, doch hielt ihre Sorgen verschlossen. Hatten sie ihr altes Leben etwa umsonst aufgegeben?
„Es könnte ja sein das unsere Herzen sich damals, als wir noch nichts voneinander wussten, nach dem fehlenden Familienmitglied gesehnt hat und wir haben es falsch interpretiert.“
Aus Lilly Munde entfleuchte ein bitteres Lachen. „Also doch..“ flüsterte sie fast unerkenntlich leise. „Bist du dir wirklich sicher?“ fragte sie erneut bitter. „Nein“ antwortete Chris zögernd und blickte zum Himmel. Der Mond leuchtete heute besonders hell und spiegelte sich in Chrisaugen wieder. Liebe ist wie Glatteis. Man wagt den Schritt, doch muss aufpassen dass man nicht ausrutscht und auf die Nase fällt. In der Liebe kann man schnell hinfallen. Wenn man eine Beziehung nicht hegt und pflegt, zerbricht sie irgendwann, wie Eis am Frühlingsanfang.

Der nächste Tag war angebrochen. Lilly saß zusammen mit Herrn Müller, Bennys Onkel, am Küchetisch. Lilly schämte sich ihm gegenüber, da sie wusste dass er jeden Streit zwischen ihr und Chris mitbekam, da sie dabei nicht wirklich leise sprachen. „Schon wieder gestritten?“ fragt er bedrückt und nach einem kurzen nicken ihrerseits entgleitet ihm ein seufzen.
„Keine Sorge bald werden sie das nicht mehr Mitanhören müssen, da ich glaube es hält eh nicht mehr lange mit uns“ erwiderte Lilly traurig und biss lustlos in ihren Apfel. Sonderlich viel hunger hatte sie im Moment nicht, wie die letzten Tage auch. Sie aß immer unregelmäßiger und nicht viel. Die Probleme mit Chris machten ihr sehr zu schaffen. Herrn Müller entging nichts. „Ach das kriegt ihr wieder hin. So ne Fasse hat jedes Paar Mal, das geht wieder vorbei“ Lilly lachte bitter auf: „Die Fasse hält aber lange an und ich hab das Gefühl Chris will keine Beziehung mehr mit mir führen.“
Just in diesem Moment stand Chris an der Tür. Lilly wusste nicht ob er etwas oder wie viel er von dem Gespräch mitbekam, aber das war ihr egal. Sie hatte genau das gesagt was keiner der beiden sich traute auszusprechen. Das ende ihrer Beziehung.
„Nun Chris du hast es geschafft. Es ist aus. Du willst den Anschein nach nicht mehr mit mir zusammen sein, bitte ich kann dich nicht zwingen“ sagte Lilly, ließ den Apfel auf den Tisch gleiten und ging schleunigst aus dem Haus. Herr Müller hatte nicht mal die Chance etwas zusagen. Chris stand wie angewurzelt an derselben Stelle. Wollte er das wirklich? Wollte er wirklich nicht mehr mit ihr zusammen sein, sie lieben und küssen? Er war sich seiner Sache nicht mehr sicher.

Weiter drei Tage vergingen. In diesen Tagen gingen sie getrennte Wege. Schliefen in getrennten Betten und wechselten kaum noch ein Wort miteinander. Beiden tat ihr Herz weh, doch zeigten es nicht voreinander. Beide litten darunter und hofften ihr Problem würde sich bald von alleine lösen, doch das ist nie der Fall. Beide gehen ihren neuen Jobs nach und machen sich selbst kaputt…
Lilly saß an ihrem Bürostuhl und war total Gedanken verloren. Konnte, eine zuvor solch starke Liebe einfach verschwinden? Wie konnte Chris behaupten sie haben es falsch interpretiert? Wie kann so etwas passieren, wenn die Gefühle für eine Person so stark sind?
„Hi Lilly“ unterbrach sie eine männliche Stimme und beim hinsehen erkannte sie David einen der Mitarbeiter hier. David (24) war ein Kopf größer als sie, womit er sie immer spaßeshalber aufzog, hatte kurze pechschwarze Harre, ebenso dunkle Augen und war gut gebaut. Sie verstand sich gut mit ihm und er half ihr überall wo es nur ging.
„Hey!“ gab sie leise zurück und lächelte müde. „Stress mit Chris“ „Warum fragst du?“ „Es war keine Frage sondern ne Feststellung“ gab er keck zurück und grinste sie an. David hatte immer ein offenes Ohr, wenn’s um Chris ging, doch das was sie und Chris verband wusste er nicht. „Mittagessen?“ fragte er und Lilly nickte stumm.

„Was ist es diesmal?“ erkundigte sich David und zündete sich anbei eine Zigarette an. „Diesmal ist es aus“ Lilly schaute von ihrem Sitzplatz hinauf zum Himmel, wo keine einzige Wolke zu sehen war. „WAS“ fragte David entsetzt und musste unwillkürlich anfangen zu husten. „Nein, das geht nicht. Du und Chris wieso? Wie kams dazu?“
„Er hält mich eben nicht mehr aus. Ich mach’s auch keinem sehr leicht mit meiner art“
David beugte sch nach vorn, legte seine Arme auf dem Tisch ab und sah sie ernst an. „Ich halts auch schon seit mehr als drei Monaten mit die aus, also kann es nicht an dir liegen. Du hast doch immer so geschwärmt von ihm, ich kann’s nicht glauben“ Lilly schoss bei der letzten Aussage die Röte ins Gesicht, doch dies verblasste sogleich wieder.
Es verging eine Zeit in der sie hier saßen, zum Mittag aßen und über vieles redeten. „Ähm ich hab da ne Frage oder besser gesagt ne bitte an dich, das hört sich zwar jetzt blöd an, aber ich hoffe du sagst ja“ meinte David leicht verlegen und kratzte sich nervös am Hinterkopf.
„Was gibt’s?“
„Nun ja du weißt ja meine Schwester heiratet bald und na ja auf der Feier wird auch getanzt und na ja ich kann nicht tanzen. Ich will da son Tanzkurs machen, aber mir fehlt ne Partnerin dazu und ich wollte dich fragen ob du nicht Lust hättest.“ Er schaute immer noch verlegen drein, „aber ich verstehe wenn du wegen der Sache mit Chris keine Lust dazu hast“ setzte er hektisch hinterher. Lilly musste Grinsen. Der Anblick der sich ihr erbot war zu lustig. „Hey beruhig dich klar komm ich mit. Du warst mir immer so eine große Hilfe und hattest immer ein offenes Ohr für mich, da werde ich dich doch nicht hängen lassen. Du sollst dich da ja net blamieren“ David atmete erleichtert aus und musste nun auch grinsen.

„Chris kann ich mal mit dir reden?“ fragte Herr Müller und stand an der Wohnzimmertür. Chris saß auf der Couch und lernte für die Uni, wenn er bei all dem Chaos in seinem Kopf sich überhaupt konzentrieren konnte. „Wenn’s um Lilly geht nein“ gab er eisern zurück und blätterte weiter in seinen Büchern rum. Herr Müller seufzte auf und kratze sich nachdenklich am Hinterkopf.
„Ich will mich ja nicht einmischen, aber-“ „Dann lassen sie’s“ unterbrach Chris in hart.
„Was ist den passiert das du so einfach mit ihr Schluss gemacht hast. Benny hat mir erzählt ihr musstet weg, da die Leute dort gegen eure Beziehung waren, also warum gibst du das jetzt auf?“ Chris legte nun das Buch auf den Tisch ab und knetete nervös seine Hände und man könnte vermuten ein Hauch Gereiztheit darin zu vernehmen. „Sie kennen den wahren Grund für unsere Flucht nicht. Ja es stimmt das alle gegen unsere Beziehung waren und es immer noch sind und sie haben auch einen guten Grund dafür“
„Und dieser Grund ist auch der Grund warum du Schluss gemacht hast?“ fragte der alte Mann und trat näher an Chris. Dieser erhob sich von der Couch und blickte Herrn Müller mit einem undefinierbaren Blick an. „Wollen sie wissen was das für ein Grund ist. Wollen sie es wirklich wissen? Na schön ich finde eh sie haben ein recht dazu. Immerhin dürfen wir bei ihnen wohnen“ erwiderte Chris gereizt „Lilly ist meine Schwester. Na überrascht. Ich bin ihr Bruder“ Herr Müller glaubte aus allen Wolken zu fallen. Er konnte seinen Ohren nicht trauen. Es herrschte kurze Stille in diesem Raum. Beide sahen sich einfach nur in die Augen und Herr Müller wusste jetzt abstoßend oder des Gleichen zu reagieren wäre sehr blöd. Er musste die Fassung behalten, denn trotz dieser Tatsache, fand er passten die beiden einfach zusammen.
„Du weißt doch schon seit längerem das sie deine Schwester ist“ stellte er fest und Chris wirkte perplex. „äh …ja“
„Und gerade jetzt kommt dir der Einfall ~mist sie ist ja meine Schwester wir dürfen nicht zusammen sein~“ Herr Müller sah in missachtend an.
„Nein, so ist das nicht“ gab Chris kleinlaut von sich und sah betretend zu Boden.
„Was ist es dann? Du wusstest das sie deine Schwester ist und hast dich trotzdem für eine Beziehung entschieden, also warum der plötzliche Sinneswandel?“
„Ich halte diesen Gedanken nicht aus. Es schwirrt mir jeden Tag durch den Kopf. Es erinnert mich immer wieder dran dass sie meine Schwester ist und wie fasch es doch ist. Ich halte das nicht mehr aus. Ich hab immer das Gefühl, das alle auf uns deuten und uns anstößig anschauen“ Chris klang so verzweifelnd, doch das juckte den alten Mann nicht.
„Du machst dir also Gedanken drüber was andere über euch denken. Interessiert es dich wirklich was andere davon halten. Niemand hier weiß es, deswegen seit ihr doch hierher gekommen. Um ein neues Leben anzufangen, in dem niemand was davon weiß, wenn ich das richtig verstehe. Also warum machst du dich damit so fertig. Bedeutet sie dir wirklich so wenig?“
Chris sah in Entgeistert an. Nie hätte er gedacht, dass dieser Mann solch starke Worte von sich gab.
„Wissen sie, sie hat sich damals versucht das leben zu nehmen, als wir davon erfuhren. Dort habe ich erst bemerkt wie viel sie mir doch bedeutet, aber ich hab Angst dass ich ihr noch mehr leid zufüge. Sie musste wegen mir schon so viel leiden, sie hat etwas Besseres verdient. Ich will nicht, falls es jemand erfahren sollte und jemand versuchen sollte uns auseinander zu bringen, sie wieder versucht sich etwas anzutun.“
Herr Müller legte Chris behut eine Hand auf die Schulter. „Mein junge, denk noch mal über alles nach. Ist es dir wirklich wichtiger was andere darüber denken, als sie? Vergiss die Ängste, niemand wird hier versuchen euch auseinander zu bringen“

Müde ließ sich Lilly auf die Couch fallen und atmete erschöpft aus. Heute war der Tag gekommen. Heute sollte sie mit David zu diesem Tanzkurs gehen. Ob das wirklich eine so gute Idee war. Immerhin hatte sie ebenso wenig Ahnung wie David von Walzer und des Gleichen. Nun ja dann wäre dies die beste Gelegenheit es mal zu lernen.

Seit gut einer Stunde stand Lilly vor dem Schrank um sich ein passendes Outfit für den heutigen Abend zu finden. Am Ende entschied sie sich für einen schwarzen kurzen Rock und ein elegantes weißes Oberteil, dazu passende weiße Stiefeln. Ob ich mit den Dingern tanzen kann, fragte sie sich und musste kurz auflächeln. Das Ende der Beziehung verdrängt sie geschickt, doch jedes Mal wenn sie Chris über den Weg lief versetze es ihr einen Stich im Herzen. Es war nicht zu vermeiden dass sie sich sahen, doch ein Glück gab es hier zwei Gästezimmer, sodass sie nicht in einem Zimmer zusammen schlafen musste.
Sie gab ihren heutigem Styling den letzten schlief und sah sich zufrieden im Spiegel an.
„Wohin gehst du?“ tauchte eine sanfte Stimme im Zimmer auf, was Lilly zusammen zucken ließ. Durch den Spiegel erkannte sie Chris am Türrahmen stehen. „Das geht dich nichts an“ zischte sie und widmete sich den letzten Dingen. Sie packte sich ihre Tasche, ein dünne Jacke und lief trotzig an ihm vorbei. Chris griff nach ihrem Handgelenk und bekam diesen auch zu packen. Er drückte sie gegen die Wand und Lilly quiekte erschrocken auf. Chris wollte sie nicht gehen lassen. Er verspürte ein solch Großes Verlangen nach ihr. Lilly schaute ihn erschrocken an, doch ihr Herz hämmerte wie verrückt gegen ihren Brustkorb.
Unabsichtlich wurde Chris Griff um ihr Handgelenk fester. „Du…du tust mir weh“ brachte sie durch zusammengepresste Zähne hervor und Chris ließ sie sofort los. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, tritt Lilly an ihm vorbei und raus aus dem Haus. Chris blieb wie angewurzelt an der Stelle stehen. Was hatte er da gerade gemacht, was um Himmelswillen dachte er sich nur dabei. Sie hatte Angst vor ihm, das sah er nur zu deutlich in ihren Augen.

Schwer atmend lief Lilly die Straßen entlang Richtung Arbeitsstelle. Sie hatten beschlossen sich dort zu treffen, da sie nicht wollte dass Chris erfuhr mit wem sie unterwegs war. Es waren nur fünf Minuten bis zur Arbeitsstelle und dort angekommen lehnte sie sich an eine Wand und keuchte schwerfellig. Ihr ganzer Körper zitterte immer noch und ihr Herz raste. Was war da vorhin vorgefallen? Wieso blickte Chris sie so komisch an? Er wollte doch das Ende der Beziehung, er wollte nicht mehr mit mir zusammen sein, schallte es durch Lillys Kopf und mit einem mal wuchs enormer Zorn in ihr auf. Was dachte er sich nur dabei?
„Bereit“ erklang eine aufgemuntert Stimme neben ihr und aus Reflex hob Lilly ihre Hand um zu zuschlagen. David reagiert ein Glück blitz schnell und hielt ihre Hand kurz vor seinem Gesicht auf „Wow was wird das denn?“ meinte er und grinste frech.
„Oh mein Gott Sorry ich dachte du wärst jemand anders“ riss Lilly entsetzt die Augen auf und sah anschließend beschämt zur Seite. „Schon in Ordnung ist ja nichts passiert. Der Arme der das abbekommen sollte“ lachte David leise auf und sah dabei Lillys bedrückte Stimmung. „Alles in Ordnung?“ „Hmm…gehen wir“ Lilly griff ruckartig Davids Arm, klemmte sich ein und zog ihn schon fast zu seinem Auto. David staunte nicht schlecht über ihr plötzlicher Wandel.

„Sag mir dass das nur ein schlechter Scherz ist“ sagte Lilly mit entsetztem Gesichtsaudruck. David lachte bei diesem Anblick auf. „Ach hatte ich das etwas vergessen zu erwähnen“ winselte er und zog sie zu sich. Lilly war der Ansicht es handele sich hier um Walzer, da dies doch üblich sei, doch da täuschte sie sich zutiefst.
„Salsa?“
„Salsa“
Der Kursleiter fing an zu reden, doch Lilly blickte David nun zornig an. Hätte er dies nicht vorher erwähnen können? „Ach komm das wird spaßig“ verkündetet er und zog sie noch näher ans sich, wie es der Leiter vormachte. Lilly musste schmunzelt, dachte sie sich doch ab und zu ob dieser Mann hier wirklich 24 Jahre alt war, denn s benahm er sich doch des Öfteren nicht.
„Übrigens du siehst heute wirklich bezaubernd aus“ hauchte er ihr entgegen, als sie so nahe beieinander standen, das sich schon fast ihre Nasenspitzen berührten. Sie bemerkte wie seine Augen sie durchbohrten. Sofort stieg ihr die Röte ins Gesicht und David fing über beide Ohren an zu Grinsen. Ehe sie darauf reagieren konnte, wurde sie von ihm durch die Gegend gewirbelt.

Einige blaue Flecke und zerquetschte Füße später hatten es beide einiger maßen drauf und Lilly musste zugeben es machte ihr ernormen Spaß. Sie lachten und tanzten zum Lied Smooth von Santana.



~~~~~~~~~~~~~Teil 6~~~~~~~~~~~~
Save me

Es wurde spät, sehr spät. David und Lilly waren schon fast Meister im Salsa tanzen geworden. David brachte sie wie vereinbart zum Treffpunkt zurück, von dem sie aus nach hause lief. „Bist du dir sicher. Es ist schon spät und nicht gerade ungefährlich.“ Meinte David besorgt, doch Lilly schüttelte energisch den Kopf. „Etwas frische Luft wird mir gut tun. Es ist ja nicht sehr weit von hier“ David gab letztendlich auf, da er wusste gegen ihren Dickkopf nicht ankommen zu können.

Ohne weiteren Gedanken lief Lilly los und sah David nach wie er mit seinem Auto davon fuhr. Es war frisch und der Wind blies durch de Straßen. Keine Menschenseele mehr war zu sehen, doch das störte sie nicht. Sie war nach all den schmerzlichen Tagen, endlich mal wieder gut gelaunt. Lilly zog sich die dünne Jacke bis zum Halse, es waren nicht mehr viele Meter bis zum Haus. Wieso hat man beim Laufen immer das Gefühl es wäre jemand hinter einem, fragte sie sich und schielte über ihre Schulter. Grinsend schüttelte sie ihren Kopf um die wirren Gedanken los zu werden. Blödsinn…
Mit einem Ruck spürte Lilly einen heftigen Schmerz in ihrem Gesicht und es fühlte sich kalt an. Sie wurde in eine Ecke gezogen, gegen die kalte, kahle Wand mit dem Gesicht nach vorn gedrückt. Ihre Hände wurden hinter ihrem Rücken zusammen gehalten, ein Bein klemmte sich zwischen die ihre, somit kein entkomme möglich war. Als Lilly realisierte was gerade vor sich ging, setzte sie zum schreien an, doch die Person reagierte sehr schnell und hielt eine Hand an ihrem Mund gepresst. Jeder ihrer Schreie verstummte. Mit aller Macht versuchte sich zu befreien. Sie strampelte, versuchte ihre Hände zu befreien, doch der Andere war um einiges stärker und hatte keine große Müh sie fest zu halten. Die Person grinste verstohlen und drückte des seinen Gesicht an ihren. Lilly erkannte ihn der Dunkelheit nicht viel und hatte viel Mühe die Person zu identifizieren.
„Na kennst du mich noch“ hauchte ihr die Person ins Ohr und küsst ihren Hals. Lilly erkannte die Stimme auf Anhieb und erstarrte. Wie war das möglich, wie hatte er herausgefunden wo sie waren und wieso tat er das mit ihr?
Sie versuchte verzweifelnd zu schreien. Versuchte ihm in die Hand zu beißen doch nichts…alles blieb vergebens. Was hatte er mit ihr vor? Ihr schossen die schlimmsten Dinge in den Kopf. Was wenn er mich vergewaltigen will? Lilly bekam es mit der Panik. Doch es gab einen Hacken. Wenn dies wirklich seine Absicht war, müsse er entweder ihre Hände loslassen oder seine Hand von ihrem Munde nehmen. Dann hätte sie noch eine Chance, wenn auch nur um Hilfe zu rufen, schreien brüllen, egal wie, Hauptsache es würde sie jemand hören.
„Du glaubst jetzt ich lasse deine Hände los oder entferne meine Hand von deinem Mund“ lachte er leise auf und küsste erneut ihren Hals. Lilly hätte sich am liebsten an Ort und Stelle übergeben. Konnte er ihre Gedanken lesen?
„Ich sag dir eins. Wenn du versuchst zu entkommen oder versuchst zu schreien, bekommst du und Chris großen ärger, du weißt wovon ich rede“ Entsetzt riss Lilly die Augen auf und kämpfe gegen die aufsteigenden Tränen an. „Hast du mich verstanden“ zischte er, löste die Hand von ihrem Munde, griff nach ihren Haaren und riss den Kopf nach hinten. Ängstlich nickte sie und wurde zurück an die Wand gedrückt. Sofort fing Lilly an zu schreien und so schnell wie er die Hand weggetan hatte, so schnell presste er seine recht Hand wieder auf ihre Lippen. „Halts maul“ keifte er und schlug sie gewaltsam gegen die Wand. „Du bist ein dummes Mädchen“
Lilly hatte keine andere Wahl gehabt. Chris und sie waren nicht mehr zusammen, er hatte nichts gegen sie in der Hand. Sie wollte nur noch hier weg, so schnell wie möglich.
„Oh hab ich da einen empfindlichen Punkt getroffen“ meinte er gespielt verzeihend
„Glaub nicht nur weil ihr nicht mehr zusammen seid ist es vorbei. Eigentlich reizt es mich Chris eins reinzuwürgen. Was hältst du davon, ach ich hab ja ganz vergessen und kannst ja nicht sprechen“ lachte er abermals auf. Mit einem gekonnten Schwung drehte er sie um, drückte sie mit dem Rücken an die Wand und presste seinen Körper gegen ihren, sodass sie keine Chance hatte sich zu befreien. „Seit ich dich das erste mal gesehen habe wollte ich dich kosten“ hauchte er ihr entgegen und roch ihren Duft genüsslich ein. Er ähnelte eher einem Psychopath, als den sie kennen gelernt hatte. Trotz Beherrschung entkam Lillys Auge eine Träne, die eine warme Spur auf ihrer Wange hinterließ und bei seiner Hand zum stillstand kam.
„Hast du Angst…musst du nicht ich bin ganz lieb“
Voller entsetzten riss Lilly die Augen noch weiter auf, als sie schon waren. Sie spürte wie ihr das Blut ihrer Kopfwunde, die durch den harten Aufknall gegen die Wand entstand, sickerte. Sie spürte wie er seine freie Hand unter ihre Bluse gleiten lies. Da Lillys Hände nun frei waren schlug sie nach ihm, doch es tat ihm nichts. Er drückte sie noch fester an die Wand, sodass sie überhaupt keinen Spielraum mehr hatte. Verzweifelt schlug sie weiter. Ihre Kraft schwand, die Tränen flossen ihr übers Gesicht und seine geduld war langsam am Ende. „Halt still“ zischte er wütend, riss sie von der Wand weg um sie sogleich wieder mit voller Wucht dagegen zu knallen.
Lilly wurde schwindelig, alles schmerzte und drohte vor ihren Augen schwarz zu werden.
„Lass sie los…sofort“ brüllte nun eine ihr bekannte Stimme. Ohne zu zögern ließ er von ihr ab und rann davon.

Lilly sackte an der Wand hinunter und wirkte total verstört.
„Lilly, alles in Ordnung mit dir. Hey Lilly“ die besorgte Stimme rüttelte an ihr und langsam erwachte sie aus ihrer Trance und blickte nun genau in die dunklen Augen von David.
„David“ schluchzte sie und warf sich in seine Arme um dort hemmungslos zu weinen. David hielt sie schützend fest und versuchte sie zu beruhigen. „Komm ich bring nach hause“ flüstertet er ihr zu und sofort riss sie sich aus seinen Armen. „Nein, nicht dahin, das geht nicht“ stotterte sie. David betrachtete sie vor sich. Rotunterlaufende Augen, schrammen im Gesicht und sogar eine tiefer Wunde aus der Blut quirlte, zerrissene Bluse und am ganzen Körper zitternd. Er hätte in dem Moment alles getan, damit es ihr besser ginge.
„Willst mit zu mir?“ war jedoch das einzige was er gerade für sie tun konnte. Verstört nickte sie fast unerkenntlich.

Chris lag auf seinem Bett und machte sich ununterbrochen Vorwürfe. Er wusste was war spät, aber dennoch hatte er jegliches Zeitgefühl verloren. Seit Stunden lag er hier schon und bestraffte sich immer wieder aufs neuste. Herr Müller hatte vollkommen Recht. Wie konnte er nur so plötzlich mit ihr Schluss machen, wie konnte er nur so plötzlich denken es sei falsch. In den anderen Augen war es falsch, aber nicht in seinen…nicht in ihren.
Seufzend rappelte er sich auf und schaute aus dem Fenster zum Himmel. Wo war sie nur? Chris wusste nicht wo und mit wem sie weg war. Er machte sich allmählich sorgen, da sie immer noch nicht zurück war…und was dann? Was sollte er tun wenn sie morgen früh auf sie treffen würde? Wie solle er diesen Fehler nur wieder gut machen? Man macht nicht einfach mal Schluss und versöhnt sich nach ein paar Tagen einfach wieder so. Lilly würde es ihm nie verzeihen. Ihr, seiner großen Liebe, solche schmerzen zugefügt zu haben.


„David?“ Die zittrige und traurige Stimme erklang in dem dunklen mittelgroßen Raum. Der Angesprochenen schlug verschlafen seinen Augen auf. Anfangs erkannte er nicht viel, doch sobald sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnten, erkannte er den Schatten von Lilly in seinem Zimmer stehen.
„Kannst du nicht schlafen?“ fragte er, setzte sich auf und rieb sich müde die Augen.
Nachdem „Überfall“ auf Lilly begaben sie sich in Davids Wohnung. Lilly sprach nicht viel, wollte nicht darüber reden und zitterte am ganzen Leib. Nach etwas Verarztung ging sie dann ins Gästezimmer zu Bett. Noch nie war sie in seiner Wohnung. Sie war groß, groß für jemanden der hier alleine lebte, doch weitere Gedanken machte sie sich nicht darüber.
Nun jetzt, mitten in der Nacht stand sie am Türrahmen und David musste seinen müden Kopf ordnen.
„Nein“ antwortete sie dann endlich, doch eher zu sich selbst, dennoch konnte es David bei der Stille hören. Ohne zu reden, rutschte er auf dem großen Bett etwas zu Seite, hob die Decke und deutete ihr sich neben ihn zu legen. „Komm her“ forderte er sie nun im sanften Ton auf, da sie sich nicht von der Stelle rührte. Unsicher lief sie leise zu ihm. Der Rolle war nicht ganz unten und trotz der Dunkelheit schien der Mond hinein und Lilly erkannte das er nicht mehr als ne Boxershorts anhatte. War das so richtig? Zu einem anderen Mann ins Bett steigen? Kopfschüttelnd verdrängte sie den absurden Gedanken und legte sich zu David ins Bett. Mit Anhieb fühlte sie sich geborgen, beschützt und sicher. Ihr fehlte solch einen Nähe und das Spüren der Wärme eines anderen Körpers. Nach kurzem überlegen wagte sie es und schmiegte sich etwas an den Schwarzhaarigen. David ließ sie nur allzu gern an sich ran und legte einen Arm um sie. Die junge Frau dachte über nichts mehr nach, schloss einfach ihre Augen und war in kürzeste zeit im Land der Träume.

„Chris du schon wach und das an einem Sonntag?“ fragte Herr Müller erstaunt, der gerade in die Küche trat und Chris auf dem Stuhl sitzend oder eher liegend, da er mehr lag als saß, vorfand. „Schon seit ein paar Stunden“ nuschelte dieser und fixierte weiterhin die Decke.
Der alte Mann begab sich zum Kaffeeautomaten, wollte den gerade einschalten, als er entdeckte dass die schwarze Brühe schon gemacht war. „Da ist noch etwas drin. Ist noch frisch“ meinte Chris matt. Der Mann runzelte die Stirn: „Wie viel hast du davon schon getrunken?“ „Hm...so vier fünf Tassen“ Herr Müller schenkte sich eine Tasse voll und setzte sich zu dem jungen Mann an den Tisch.
„Wo ist Lilly?“ Fragte der Mann und schielte von der Tasse zu Chris. Er wusste das Thema würde ihn treffen. Der alte Mann musterte den jungen Mann aufs Genauste. Dessen Gesicht zeigte einen undefinierbaren Ausdruck. Er verkrampfte sich leicht, schien mit sich zu kämpfen.. „Sie ist letzte Nacht nicht nachhause gekommen“ wisperte Chris und biss sich auf die Unterlippe. Herr Müller verstand nicht warum sie es sich beide nur so schwer machten.
„Was glauben s…“ begann Chris doch brach ab. Der Alte schaute ihn fragend an, doch Chris entschied sich anders.
„Ach vergessen sie es.“ Winkte er ab und verließ die Küche.

„Sorry“ David schreckte zusammen, als plötzlich eine Stimme hinter hm ertönte. „Für was?“ erkundigte er sich bei Lilly die gähnend die gemütlich Küche betrat. „Das ich dich mitten in der Nacht geweckt habe“. Sie trat an den Tisch und setzte sich David gegenüber. Dieser musste schmunzeln als e Lilly so mit zerzausten Haaren und zerknautschten Gesicht vor sich sitzend sah, dennoch fand er sie noch bezaubernder.
„Ach halb so wild“
David musterte sie, was Lilly nicht entging. Es war ihr unangenehm so unter die Lupe genommen zu werden und ungewollt stieg ihr die Röte ins Gesicht. Zu ihr Pech blieb das nicht unbemerkt und David fing an über beide Ohren zu grinsen und schlürfte dabei genüsslich seinen Kaffee weiter. „Ich werde dann gleich nach hause gehen“ sagte sie schüchtern und knetete nervös ihre Hände.
„Nicht so schnell. Frühstücke erst mal und dann begleite ich dich nach hause, alleine werde ich dich nicht gehen lassen“ erwiderte der Schwarzhaarige und schenkte ihr ein warmes angenehmes Lächeln.

Gegen Mittag brate David sie nach hause. Vor dem Haus angekommen blieb sie stumm auf dem Autobeifahrer sitzen. Sie fühlte sich mies und traute sich nicht Chris unter die Augen zutreten. „Lilly?“ David hatte schon die Autotür auf ihrer Seite geöffnet und wartete darauf dass sie ausstieg. „Ähm…ja“ erwiderte sie verwirrt und stieg aus. „Soll ich mit rein?“
David war so hilfsbereit und Lilly wusste einfach nicht wofür sie das verdiente.
„Besser nicht“ „Versteh schon“
„Wir sehen uns morgen“ waren die letzten Worte und beide gingen ihre Wege.

„Wo warst du?“ kam ihr beim schließen der Haustür entgegen. Die Stimme hörte sich besorgt und dennoch erkannte man einen wütenden Unterton. Chris versuchte nicht böse zu klingen und dafür musste er sich sehr zusammen reißen. Lilly schaute auf und es trafen zwei eiskalte Blicke. Es war schon fast zu hören wie diese Blicke sich trafen und blitzten.
Wortlos stampfte Lilly trotzig an ihm vorbei, als ob er nicht existiere, Luft wäre.
„Ich will mit dir reden“ rief er ihr hinterher.
„Ich aber nicht mit dir“ zischte sie und lief weiter. Chris entschloss sich ihr nach zu laufen. „Bitte es ist wichtig“ Chris wütende Unterton verschwand und klang schon fast flehend.
„Nein ich will jetzt duschen“ Lilly versuchte krampfhaft stand zu halten und nicht gleich schwach zu werden oder den Tränen zum Sieg verhelfen. Sie lief ihm Zimmer hin und her. Schnappte sich hier und dort was. „Jetzt bleib doch mal stehen“ protestierte der junge Mann, dessen Geduld allmählich am Ende war. Er packte sie am Arm, drehte sie zu ihn um und drückte sie leicht gegen die Wand, somit sie nicht mehr entkommen konnte.
Lilly hingegen nahm es als ein angriff auf sich an. Ihr kamen die Bilder letzter Nacht hoch. Wie sie gegen die Wand gerückt und gestoßen wurde. Wie sie die fremden Hände auf ihrer Haut spürte, ebenso wie diese Lippen.
Aus Angst und schreck, ließ sie alles Sache, die sie zuvor zusammen gesammelt hatte und in den Händen hielt, zu Boden fallen und schrie auf. Sie kniff die Augen zusammen, fing an am ganzen Körper zu zittern und versuchte sich nicht zu wehren um keine schmerzen erleide zu müssen. Wer eigentlich vor ihr stand vergaß sie total. Die Person ihr gegenüber würde ihr niemals wehtun wollen und schon gar nichts gegen ihren Willen tun.
Verschreckt über Lilly Reaktion ließ er abrupt von ihr ab und stand verdutzt vor ihr. Immer noch nicht öffneten sich die Lieder unter denen diese wunderschönen Azurblauen Augen sich versteckten.
„Es-es tut mir leid…“ stotterte Chris und verstand nicht was vor sich ging. Hatte er sie gestern so verängstigt?
Die Stimme ihres Geliebten drang ihn ihren Ohren und allmählich kam sie wieder in die Realität zurück. Sie bemerkte das Chris vor ihr stand und kein anderer.
Lillys Herz raste wie verrückt und erleichtert sank sie zu Boden. Beim ausatmen öffnete sie die Augen und schaute verwirrt um sich. Chris war nirgends zu sehen. Hatte sie ihn verscheucht?

Chris schloss die Zimmertür und sackte an de Tür zu Boden. Mit verschleiertem Blick schaute er Richtung Wand. Zittrig fuhr er sich mit der Hand durch das braun, gelockte Haar. Was war eben geschehen? Ihm brach es das Herz wie Lilly reagierte. Er verstand nicht was das sollte.
Mein Gott sie hatte Angst vor ihm. Diese erschreckende Wahrheit wurde ihm klar...

Fortsetzung folgt...
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